US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den Abzug von rund 5.000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland angeordnet. Der Schritt kommt wenige Tage nach scharfer Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an der US-Strategie im Iran-Konflikt — und ist kaum als Zufall zu werten.
Pentagon bestätigt Abzug binnen sechs bis zwölf Monaten
Wie orf.at unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium berichtet, soll der Abzug innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate abgeschlossen sein. Ein Pentagon-Sprecher teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, die Entscheidung folge einer „gründlichen Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa“ und trage „den Anforderungen der Einsatzgebiete sowie den Bedingungen vor Ort Rechnung.“ Laut Washington Times sind derzeit rund 35.000 bis 39.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert — die größte amerikanische Truppenpräsenz in ganz Europa. Wichtige Standorte sind der Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz, das Truppenübungsgelände Grafenwöhr sowie das US-Europakommando EUCOM in Stuttgart.
Merz-Kritik als Auslöser
Der unmittelbare Hintergrund ist ein transatlantischer Disput. Wie orf.at berichtet, hatte Kanzler Friedrich Merz die US-Strategie im Iran-Krieg öffentlich kritisiert: Die Amerikaner hätten „kein Ausstiegsszenario“, und das Problem bei Konflikten dieser Art sei stets, dass man nicht nur einmarschieren, sondern auch wieder herausfinden müsse. Trump reagierte auf diese Aussagen mit unverhohlenem Ärger und kündigte an, einen Truppenabzug zu prüfen — nun folgte die Umsetzung. Hinzu kommt, laut orf.at, Trumps allgemeine Verärgerung über die mangelnde Unterstützung der NATO-Verbündeten für seinen Iran-Krieg.
Berlin reagiert betont gelassen
Die deutsche Bundesregierung zeigte sich unbeeindruckt. Kanzler Merz betonte laut orf.at beim Besuch eines Truppenübungsplatzes in Munster, die Bundeswehr leiste im Rahmen der NATO „Seite an Seite mit den Vereinigten Staaten von Amerika“ Arbeit an strategisch wichtigen Standorten — eine implizite Botschaft, dass Deutschland seinen Kurs nicht ändert.
Ob der Abzug dauerhaft oder nur vorübergehend ist, bleibt vorerst offen. Wie Pforzheimer Zeitung und orf.at berichten, strebt Washington ohnehin seit Längerem eine stärkere militärische Fokussierung auf den Pazifikraum und China an. Der US-Kongress hatte Ende 2025 zudem einen Sicherheitsmechanismus beschlossen: Die Gesamtzahl der dauerhaft in Europa stationierten US-Soldaten darf nicht länger als 45 Tage unter 76.000 sinken — eine strukturelle Untergrenze, die einem vollständigen Rückzug Grenzen setzt.
Credits: APA
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