Selenskyj benennt Einheit nach UPA-Massenmördern – Polen erwägt Entzug höchsten Ordens

Selenskyj benennt Einheit nach UPA-Massenmördern – Polen erwägt Entzug höchsten Ordens

Ein Dekret, das in der Ukraine Tradition ehren soll, löst bei Polens engsten Verbündeten einen diplomatischen Eklat aus. Warschau reagiert mit der schärfsten Reaktion seit Kriegsbeginn.

Das Dekret: Spezialeinheit erhält UPA-Ehrennamen

Wie Euronews und audimax.de unter Berufung auf die offizielle ukrainische Staatsmitteilung berichteten, erließ Präsident Wolodymyr Selenskyj am 28. Mai ein Dekret, das dem Operationszentrum Nord der ukrainischen Spezialeinsatzkräfte den Ehrennamen „Helden der UPA“ verleiht. Die Begründung: Man wolle „die historischen Traditionen der nationalen Armee wiederbeleben und die vorbildliche Erfüllung der Aufgaben bei der Verteidigung der territorialen Integrität und Unabhängigkeit der Ukraine würdigen.“

Was die UPA in Polen bedeutet

Die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) ist in der Ukraine ein Symbol des Widerstands gegen sowjetische und deutsche Besatzung. In Polen steht sie für etwas anderes. Wie audimax.de und der Tagesspiegel unter Berufung auf historische Quellen berichteten, töteten UPA-Mitglieder zwischen 1943 und 1945 bis zu 100.000 ethnische Polen in der Region Wolhynien – heute Westukraine, damals polnisches Staatsgebiet. Die Massaker gelten in Polen als nationales Trauma und sind bis heute ein zentrales Thema der polnischen Erinnerungspolitik.

Nawrocki: Entzug des Weißen Adlers gefordert

Die Reaktion aus Warschau kam prompt und ungewöhnlich scharf. Wie Euronews berichtete, erklärte der polnische Staatspräsident Karol Nawrocki, er habe Selenskyjs Entscheidung „mit großem Bedauern“ aufgenommen. „So baut man keine Beziehungen zwischen Nationen auf“, sagte er. Nawrocki schlug daraufhin vor, dass das Kapitel des Ordens des Weißen Adlers – Polens höchste staatliche Auszeichnung – beim nächsten Treffen am 8. Juni über den Entzug der Auszeichnung für Selenskyj befinden solle. Den Vorschlag habe er nach einem entsprechenden Appell des Abgeordneten Grzegorz Płaczka von der rechtslibertären Partei Konföderation Neue Hoffnung aufgegriffen. Nawrocki ergänzte laut germany.news-pravda.com, Selenskyj habe mit dem Schritt der russischen Propaganda „das beste Material seit Jahren“ geliefert.

Tusk: „Verletzt historische Sensibilität“

Auch Polens Regierungschef Donald Tusk meldete sich zu Wort. Wie der Tagesspiegel und Euronews berichteten, erklärte Tusk, Selenskyjs Entscheidung „verletzt unsere historische Sensibilität.“ Tusk ist einer der engsten europäischen Unterstützer der Ukraine – seine öffentliche Kritik unterstreicht, wie stark das Dekret das polnisch-ukrainische Verhältnis belastet.

Heikler Zeitpunkt

Der Eklat kommt zu einem denkbar ungünstigen Moment: Polen ist einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine, Hauptdurchgangsland für Waffenlieferungen und engster NATO-Verbündeter an der Ostflanke. Ob das Ordenskapitel am 8. Juni tatsächlich für den Entzug stimmt, ist offen – der Vorschlag liegt nun formal auf dem Tisch.

Credits: APA

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