Der Mann, der jahrelang als die graue Eminenz hinter Selenskyj galt, sitzt nun in Untersuchungshaft. Der Fall erschüttert die Ukraine — ausgerechnet in einer Phase, in der Kiew dem Westen seinen Kampf gegen Korruption beweisen muss.
60 Tage U-Haft, 2,72 Millionen Euro Kaution
Wie nachrichten.at und dpa berichten, hat das Oberste Anti-Korruptions-Gericht der Ukraine am Mittwoch Untersuchungshaft gegen den früheren Präsidialamtschef Andrij Jermak angeordnet. Die Haft gilt zunächst für 60 Tage. Der 54-Jährige hätte die Möglichkeit, gegen eine Kaution von umgerechnet 2,72 Millionen Euro auf freien Fuß zu kommen — doch er erklärte laut dpa-AFX, er habe nicht die Mittel, um diese Summe aufzubringen. Auf seiner Vermögenserklärung stehen eine Dreizimmerwohnung in Kiew und ein Mercedes.
Jermak muss sich gemeinsam mit fünf weiteren Verdächtigen wegen Geldwäsche verantworten. Das Nationale Antikorruptionsbüro NABU und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft SAP werfen ihm laut onvista.de vor, als Mitglied einer organisierten Gruppe rund neun Millionen Euro im Zusammenhang mit einem Luxusbauprojekt in der Nähe Kiews gewaschen zu haben. 16 Aktenordner mit je 250 Seiten wurden zusammengetragen. Jermak weist alle Vorwürfe kategorisch zurück und will gegen den Haftbefehl vorgehen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Die Feng-Shui-Beraterin im Gerichtssaal
Neben den Geldwäschevorwürfen lieferte der Prozess am Vortag einen kuriosen Nebenstrang. Wie dpa berichtet, ließ die Anklage Chats verlesen, die Jermak mit einer Frau geführt hatte, die in seinem Telefon als „Veronika Feng-Shui Büro“ gespeichert war. Demnach soll Jermak mit ihr über die Besetzung von Spitzenposten in der Ukraine gesprochen und ihr Geburtsdaten von Kandidaten für Einschätzungen übermittelt haben. Die 51-jährige Frau bezeichnet sich laut ukrainischen Medienberichten als astrologische Beraterin — und gehört laut Anklagebehörde ebenfalls zu den Verdächtigen.
Das Präsidentenbüro distanzierte sich umgehend: Man beschäftige sich „nicht mit Esoterik, Numerologie, Feng-Shui oder ähnlichem“, erklärte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn laut dpa.
Warum der Fall so brisant ist
Jermak war bis zu seiner Entlassung im November 2025 die rechte Hand Selenskyjs — der zweitmächtigste Mann der Ukraine und Chefverhandler für Gespräche über ein Kriegsende mit Russland. Dass er sich nach den Hausdurchsuchungen im November nicht ins Ausland abgesetzt hatte, wurde damals als Zeichen der Unschuld gewertet.
Nun sitzt er in U-Haft. Der Zeitpunkt ist heikel: Die Ukraine bemüht sich intensiv um EU-Mitgliedschaft und ist dabei auf westliche Finanzhilfen angewiesen. Selenskyj hat dem Westen einen entschiedenen Kampf gegen Korruption versprochen — und die Antikorruptionsbehörden handeln nun sichtbar. Ob das als Stärke oder als Systemversagen gewertet wird, hängt davon ab, wie das Verfahren weitergeht.
Credits: APA
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