Sein Befehl: „Löscht sie aus!“ Berüchtigter Milizenführer für schuldig befunden

Sein Befehl: „Löscht sie aus!“ Berüchtigter Milizenführer für schuldig befunden

Er war einer der Befehlsgeber, die Zivilisten zum Freiwild erklärten. Einer jener Männer, auf dessen Kommando hunderte Dörfer in der Region Darfur im Süden des Sudan überfallen wurden, Frauen vergewaltigt und zerstückelt, Männer verbrannt, Kinder getötet und die Behausungen dem Erdboden gleichgemacht wurden.

Jetzt wurde Ali Abd-Al-Rahman, ein ranghoher Kommandant der berüchtigten arabischen Dschandschawid-Miliz, endlich zur Rechenschaft gezogen. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat ihn für unvorstellbare Gräueltaten schuldig gesprochen. Wie der Kurier berichtet, terrorisierte die gefürchtete Miliz, die hauptsächlich aus arabischen Kämpfern bestand, zwischen 2003 und 2004 die schwarze Bevölkerung in Darfur. Diese brutale Gewaltkampagne forderte laut Kurier mindestens 400.000 Todesopfer und zwang mehr als zwei Millionen Menschen zur Flucht.

„Auslöschen und hinwegfegen!“

Die Richter des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH) erklärten am Montag, Abd-Al-Rahman habe seinen Kämpfern befohlen, in die Dörfer einzufallen und dort Massenvergewaltigungen und -morde zu verüben. Laut den Feststellungen des Gerichts stachelte Abd-Al-Rahman seine Soldaten kurz vor einem Angriff mit den eiskalten Worten an: „Auslöschen und hinwegfegen!“ (Kurier).

Nach einem fünfjährigen Verfahren in Den Haag steht das Urteil fest. Der offiziellen Pressemitteilung des Internationalen Strafgerichtshofs vom 6. Oktober 2025 zufolge wurde Abd-Al-Rahman in 27 Anklagepunkten wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig befunden. Das genaue Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt, doch allein der Schuldspruch sendet laut IStGH eine mächtige Botschaft.

Ein seltener Sieg für die Gerechtigkeit

Dieser Schuldspruch ist ein bedeutender, wenn auch seltener Erfolg für den IStGH. Wie der Kurier unter Berufung auf die Statistik des Weltgerichts berichtet, ist dies in der 23-jährigen Geschichte des IStGH erst das achte rechtskräftige Urteil. Das Gericht hat bislang 70 Personen angeklagt, von denen 29 noch immer per Haftbefehl gesucht werden (Kurier).

Der Hauptverantwortliche für den Völkermord in Darfur, der ehemalige sudanesische Diktator Omar al-Baschir, ist jedoch weiterhin auf freiem Fuß. Seit 16 Jahren bemüht sich der IStGH, al-Baschir wegen Völkermordes vor Gericht zu stellen. Trotz eines aktiven Haftbefehls weigern sich die Kriegsparteien im Sudan – der laut Kurier derzeit Schauplatz des weltweit verheerendsten Konflikts ist –, den 80-jährigen Ex-Diktator auszuliefern.

Eine Warnung an die heutigen Kriegsherren

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk betonte, das Urteil gegen Abd-Al-Rahman müsse eine klare Warnung an die aktuellen Kriegsparteien im Sudan sein. Sowohl die sudanesische Armee als auch die RSF-Miliz (eine Nachfolgeorganisation der Dschandschawid) müssten verstehen, dass es keine Straffreiheit für Massenverbrechen an Zivilisten geben kann. Wörtlich zitiert der Kurier den UN-Kommissar: „Auch sie werden eines Tages für schwere Gesetzesverstöße zur Rechenschaft gezogen werden.“

Ermittlungen gegen beide Seiten laufen, doch es wird laut Kurier und IStGH vermutlich Jahre dauern, bis einer der Verantwortlichen in Den Haag vor Gericht steht. In der Zwischenzeit erlebt der Sudan die größte Flüchtlingskatastrophe der Welt: Nahezu zwölf Millionen Menschen wurden laut UN-Angaben vertrieben (Kurier). Die Verurteilung von Ali Abd-Al-Rahman ist ein Hoffnungsschimmer, dass die Gerechtigkeit auch nach Jahrzehnten siegen kann (offizielle ICC-Mitteilung).

Credits: APA

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