Die polarisierende Pro-Migrations-Kapiteuse geht von Bord: Ein Jahr nach ihrem Einzug ins Europäische Parlament legt Carola Rackete ihr Mandat nieder. Die parteilose Klima- und Menschenrechtsaktivistin, die 2024 als Spitzenkandidatin der Linken für die Europawahl antrat, macht damit Platz für den Brandenburger Linken-Politiker Martin Günther.
Die Entscheidung sei Teil eines „kollektiven“ Ansatzes, wie Rackete betonte – ihr Rückzug solle Raum für neue Impulse geben. Rackete erklärte, ihre Kandidatur habe von Anfang an ein Ziel verfolgt: die politische und inhaltliche Erneuerung der Linken. „Mein Mandat war nie als persönliches Projekt gedacht, sondern als kollektiver Beitrag zur Stärkung sozialer und ökologischer Bewegungen“, so die 36-jährige Seenot-Schlepperin. Mit der Übergabe des Sitzes wolle sie diesen Anspruch konsequent weiterführen.
Die ehemalige Kapitänin des Seenotrettungsschiffs Sea-Watch 3 war 2019 international bekannt geworden, als sie trotz eines Verbots der italienischen Behörden mit geretteten Geflüchteten den Hafen von Lampedusa anlief. Ihre Aktion machte sie zur Symbolfigur einer menschenrechtsorientierten Flüchtlingspolitik – und zur Hoffnungsträgerin für eine Linke im Umbruch.
Neuer Abgeordneter will Klimakurs fortsetzen
Nachfolger Martin Günther, bislang in Brandenburg politisch aktiv, war bei der Europawahl im vergangenen Jahr zwar ebenfalls auf der Liste der Linken, aber auf einem hinteren Platz gelandet. Nun rückt er nach und kündigt an, zentrale Anliegen Racketes weiterzuverfolgen – allen voran den Einsatz für Klimagerechtigkeit. „Eine sozialere und ökologischere EU wird es nur geben, wenn wir sie den Superreichen und ihren Lobbyisten entreißen“, sagte Günther.
Die Linksfraktion im Europäischen Parlament begrüßte den Wechsel als Zeichen lebendiger innerparteilicher Demokratie. Die sächsische Landesvorsitzende Anja Eichhorn lobte Racketes konsequentes Engagement für soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Flüchtlingspolitik. „Carola hat die Stimme der Bewegungen ins Parlament getragen – und sie hat ihre Wurzeln nie vergessen“, so Eichhorn. Auch Co-Landeschef Marco Böhme würdigte ihre Arbeit als „authentisch, solidarisch und unbequem – im besten Sinne des Wortes“.
Mit Racketes Rückzug geht ein symbolträchtiger Abschnitt zu Ende. Ihr politischer Einstieg hatte vielen als Aufbruchssignal für die in der Krise steckende Linke gegolten – und als Versuch, neue gesellschaftliche Bündnisse jenseits traditioneller Parteistrukturen zu knüpfen. Dass sie ihr Mandat nun planmäßig weitergibt, deutet auf einen strategisch gedachten Politikstil hin, der persönliche Eitelkeiten bewusst ausklammert.
Credit: APA
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