Sechsjährige Volksschule: Wiederkehr startet Schulversuch im Alleingang

Sechsjährige Volksschule: Wiederkehr startet Schulversuch im Alleingang

Zwei Jahre länger gemeinsam lernen, die Entscheidung zwischen AHS und Mittelschule erst mit zwölf: Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat am Donnerstag sein Konzept für eine sechsjährige Volksschule vorgestellt. Getestet wird das Modell zunächst an Pilotschulen – abgestimmt mit den Koalitionspartnern ist es nicht.

Mindestens fünf Standorte ab Herbst 2027

Wie mehrere Medien unter Berufung auf die APA berichten, soll der Schulversuch im Schuljahr 2027/28 an mindestens fünf Standorten in wenigstens drei Bundesländern starten, ein weiterer Durchgang ist ein Jahr später geplant. Die Teilnahme ist freiwillig und wird wissenschaftlich begleitet. Interessierte Schulen können sich bis 16. Oktober beim Bildungsministerium melden. Laut Wiederkehr hätten sich bereits vor dem offiziellen Start Schulen aus mehreren Bundesländern gemeldet. Denkbar sei auch eine Durchführung an den Praxisschulen der Pädagogischen Hochschulen – eine Weisung zur Teilnahme werde es von ihm aber nicht geben.

So funktioniert das Modell

Kern des Konzepts ist eine enge Kooperation zwischen Volksschule und einer nahegelegenen Mittelschule oder AHS. Voraussetzung für die Teilnahme ist laut MeinBezirk zudem, dass mindestens zwei Drittel der Eltern und des Lehrkörpers zustimmen. Pilotschulen können mit einem ganzen Jahrgang oder einzelnen Klassen einsteigen. Unterrichtet werden die fünfte und sechste Schulstufe entweder direkt am Volksschulstandort oder in den Räumen der Partnerschule – Letzteres würde den Volksschulen die Suche nach zusätzlichen Räumlichkeiten ersparen. Wie VOL.AT berichtet, sind für individuelle Förderung und den Erwerb von Grundkompetenzen zusätzliche Ressourcen vorgesehen. Am Ende erhalten die Kinder ein AHS- beziehungsweise Mittelschulzeugnis mit einem Vermerk über den Schulversuch.

„Kinder brauchen Zeit“

Seine Begründung formulierte Wiederkehr gegenüber „Heute“ so: „Kinder brauchen Zeit, damit sich ihre Stärken und Talente entfalten. Heute entscheidet sich ihr Bildungsweg bereits in der vierten Klasse Volksschule – in einem Alter, in dem sich Interessen, Fähigkeiten und Persönlichkeit noch stark entwickeln.“ Die Aufteilung mit zehn Jahren sei „zu früh, Kinder entwickeln sich nicht alle im gleichen Tempo“. Längeres gemeinsames Lernen solle zudem dafür sorgen, dass die soziale Herkunft den Bildungsweg weniger stark bestimmt.

ÖVP nicht an Bord

Politisch brisant ist der Weg, den Wiederkehr wählt. Im Regierungsprogramm hatte die Koalition lediglich eine „Erleichterung von Modellregionen für die Gemeinsame Schule der 10- bis 12- bzw. 14-Jährigen“ angekündigt. Schon Vorarbeiten dazu hatten im Frühjahr bei der ÖVP für Irritation gesorgt, dort hieß es: „Das Gymnasium steht für die ÖVP nicht zur Disposition.“ Der nun präsentierte Schulversuch ist mit ÖVP und SPÖ nicht abgestimmt. Für Schulversuche sei er als Minister allein zuständig, stellte Wiederkehr klar. Die ursprünglich angedachte Modellregion ist laut „Standard“ vorerst auf Eis gelegt, sie könnte bei positiven Ergebnissen der Begleitstudie aber später folgen. Die ÖVP sieht in dem Vorstoß laut „Standard“ „noch lange keine sinnvolle Reform“.

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