Die Spanische Hofreitschule, ein Juwel österreichischer Kultur und weltberühmt für die hohe Kunst der klassischen Reitkunst, sieht sich mit ernsten Anschuldigungen konfrontiert. Eine interne Mitarbeiterbefragung aus dem Jahr 2023, die nun an die Öffentlichkeit gelangt ist, sorgt für Unruhe. Mitarbeiter berichten von Missständen und einem nicht tierschutzkonformen Umgang mit den edlen Lipizzanern, insbesondere mit den Jungtieren.
Was werfen die Mitarbeiter der Hofreitschule vor?
Wie der ORF berichtete, schildern Angestellte in dem internen Dokument „heikle Situationen im Umgang mit Jungtieren“. Die Rede ist von Misshandlungen, übermäßigem Stress und Praktiken, die dem Wohl der Tiere schaden könnten. Der ORF konnte die Echtheit des Dokuments laut eigenen Angaben durch mehrere unabhängige Quellen bestätigen. Diese Enthüllungen werfen einen dunklen Schatten auf die sonst so glanzvolle Fassade der Traditionsinstitution.
Die Vorwürfe kommen zu einer Zeit, in der wichtige Personalentscheidungen anstehen. Die Bewerbungsfrist für eine neue Geschäftsführung endet in Kürze und auch der Aufsichtsrat soll am Mittwoch neu besetzt werden. Die Hofreitschule, eine Gesellschaft öffentlichen Rechts, befindet sich vollständig im Besitz des Bundes.
Politik schaltet sich ein: Ministerium beauftragt Prüfung
Die Politik hat prompt auf die Berichte reagiert. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) beauftragte die interne Revision seines Ministeriums mit einer genauen Überprüfung der Vorwürfe. „Jetzt gilt es aber erst einmal aufzuklären und die Fakten zu prüfen“, so Totschnig in einer Aussendung. Das Wohl der Lipizzaner habe bei der Neuaufstellung der Hofreitschule „höchste Priorität“.
Laut Berichten von Medien wie Die Presse und Vienna.at soll dem Aufsichtsrat der Hofreitschule damals nur eine zusammengefasste Version der brisanten Mitarbeiterbefragung vorgelegt worden sein. Ob die heikelsten Passagen weitergeleitet wurden, ist unklar. Das zuständige Ministerium gab gegenüber „Wien heute“ an, dass die Ergebnisse „nach einer schnellen Recherche“ nicht vorgelegen hätten.
Hofreitschule weist Vorwürfe entschieden zurück
Die Leitung der Spanischen Hofreitschule wies die Vorwürfe der Tierquälerei gegenüber der APA „entschieden zurück“. Das Wohlergehen der Lipizzaner habe oberste Priorität, hieß es in einem Statement. Man nehme die Wahrnehmungen aus der Befragung ernst, diese seien geprüft und in bestehende Prozesse berücksichtigt worden. „Eine tierquälerische Behandlung unserer Pferde hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben und wird in der Spanischen Hofreitschule auch nicht toleriert“, betonte die Institution.
Interessanterweise fiel ein im März veröffentlichter Bericht des Rechnungshofes zur Hofreitschule noch sehr positiv aus und attestierte Verbesserungen im Bereich des Tierwohls.
Interne Machtkämpfe im Fokus
Die aktuellen Vorwürfe sind nicht die ersten Turbulenzen in diesem Jahr. Bereits im September wurde der damalige Geschäftsführer Alfred Hudler – jener Mann, der die Mitarbeiterbefragung in Auftrag gegeben hatte – entlassen. Als Grund wurden Vorwürfe im Bereich der Spesen- und Dienstreiseabrechnung genannt. Eine parlamentarische Anfrage beschäftigt sich nun mit der Frage, ob es eine „gezielte Demontage“ des damaligen Geschäftsführers gegeben haben könnte. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die Traditionsinstitution mit den schweren Vorwürfen umgeht und welche Konsequenzen die Prüfung durch das Ministerium haben wird.
Quellen: ORF, Die Presse, Der Standard, Vienna.at, APA, oe24.at
Credits: APA
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