Die Entscheidung sorgt europaweit für Aufsehen: Die Stadt Pruntrut im Schweizer Kanton Jura hat ausländischen Gästen ohne Aufenthaltstitel oder Touristenbescheinigung den Zutritt zum städtischen Freibad untersagt. Hintergrund sind Vorfälle rund um Belästigungen, Regelverstöße und Sicherheitsprobleme. Wäre das auch für Österreich eine gute Entscheidung? Schreiben Sie exxtra24.at!
Seit dem 5. Juli gilt die neue Regelung: Wer nicht in der Schweiz lebt oder arbeitet oder als Tourist einen offiziellen Nachweis seiner Unterkunft vorlegen kann, bleibt außen vor. Stadtrat Lionel Maître, verantwortlich für den Bereich Freizeit, verteidigte das Vorgehen im Gespräch mit der WELT: Die Stimmung im Bad sei deutlich entspannter, das Feedback aus der Bevölkerung durchweg positiv.
„Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich bedankt. Sie erleben ihr Schwimmbad wieder als ruhigen, sicheren Ort – so wie früher“, so Maître. Auch die Rückkehr vieler Stammgäste und ein spürbarer Anstieg beim Verkauf von Saisonkarten bestätigen seiner Ansicht nach den Erfolg der Maßnahme.
Übergriffe und Tumulte als Auslöser
Insgesamt über 20 sicherheitsrelevante Vorfälle registrierte die Stadtverwaltung seit Saisonbeginn – die meisten davon mit Jugendlichen aus französischen Grenzgebieten. Dazu gehörten laut Maître etwa sexuelle Belästigungen junger Mädchen, respektloses Verhalten gegenüber dem Sicherheitspersonal, Rangeleien und regelwidriges Baden in Unterwäsche. Selbst ein Mitarbeiter des Bades sei angegriffen worden. Trotz zusätzlicher Sicherheitsdienste blieb die Lage angespannt.
Die Stadt, nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt, sieht sich daher zu entschlossenem Handeln gezwungen – zum Schutz der Badegäste wie auch des städtischen Personals.
Kritik aus Medien und Politik – diplomatische Spannung?
Während die Maßnahme von vielen Anwohnern begrüßt wird, gibt es scharfe Kritik aus der Politik und den Medien. Die Genfer Zeitung Le Temps warnt vor einem „gefährlichen Präzedenzfall“ und spricht von Diskriminierung. Auch die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus äußerte Bedenken und sieht das internationale Image der Schweiz gefährdet, insbesondere inmitten der Tourismussaison.
Auf französischer Seite wird laut Medienberichten sogar geprüft, ob man diplomatisch auf die Entscheidung Pruntruts reagieren könne. In sozialen Netzwerken ist die Debatte besonders emotional – einige werfen der Stadt rassistische Motive vor.
Maître weist Vorwürfe zurück
Der Stadtrat weist diese Anschuldigungen entschieden zurück. Die Regelung richte sich nicht gegen bestimmte Nationalitäten oder Religionen, sondern verfolge ein klares Ziel: Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum. „Es geht nicht um Ausgrenzung, sondern um Verhältnismäßigkeit“, so Maître. Jeder Tourist sei mit gültigem Nachweis nach wie vor willkommen.
Er kritisiert zudem die französische Politik scharf: Dort würden viele Gemeinden aus Angst vor ähnlichen Problemen ihre Schwimmbäder lieber ganz schließen, anstatt konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Das führe zu einem Ausweichen französischer Jugendlicher in grenznahe Orte wie Pruntrut – mit spürbaren Folgen.
Entscheidung bleibt vorerst bestehen
Trotz der andauernden politischen Diskussion will die Stadtverwaltung die Regelung mindestens bis Ende August aufrechterhalten. Danach werde man Bilanz ziehen und über eine mögliche Verlängerung entscheiden. „Wenn sich zeigt, dass die Maßnahme notwendig bleibt, schließen wir eine Wiederholung in der kommenden Saison nicht aus“, so Maître abschließend.
Was meinen Sie zu dieser Entscheidung? Wäre das auch für Österreichs Bäder gut? Schreiben Sie uns!
Credit: APA
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