Die Zahl der Privatkonkurse mag stabil wirken, doch der Schein trügt gewaltig: Hinter der Fassade türmt sich ein riesiger Schuldenberg auf. Die neuesten Zahlen der Gläubigerschützer sind alarmierend und zeigen, dass Herr und Frau Österreicher immer tiefer in die Kreide geraten. Während die Anzahl der Pleiten leicht zurückgeht, explodieren die Schuldenbeträge förmlich.
40.000 Euro mehr Schulden pro Kopf
Es klingt paradox: Im Jahr 2025 gab es mit 8.766 Fällen sogar minimal weniger Privatkonkurse als im Vorjahr (minus 0,6 Prozent), wie der KSV1870 berichtet. Doch die Summen, um die es geht, haben es in sich. Die Verbindlichkeiten sind massiv gestiegen. Durchschnittlich steht jeder Pleite-Kandidat nun mit unfassbaren 153.000 Euro in der Kreide. Das ist ein dramatischer Anstieg von rund 40.000 Euro oder satten 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Selbst wenn man spektakuläre Großpleiten mit über 10 Millionen Euro Passiva herausrechnet, bleibt laut KSV ein deutliches Plus. Der „normale“ Schuldner hat im Schnitt immer noch 10.000 Euro mehr Schulden als zuvor.
Männer sind die größeren Schuldner
Ein Blick in die Statistik offenbart eine klare Kluft zwischen den Geschlechtern. Die Männer führen die traurige Rangliste unangefochten an. In 61 Prozent der Fälle waren es Männer, die den Gang zum Konkursrichter antreten mussten. Noch deutlicher wird es beim Geld: Ganze 78 Prozent der Gesamtschulden gehen auf das Konto der Herren.
Wie die Daten zeigen, liegt das durchschnittliche Schuldenvolumen bei Männern bei gewaltigen 194.000 Euro, während Frauen im Schnitt mit 86.000 Euro in der Kreide stehen. Bei den sogenannten „echten Privatkonkursen“ – also jenen, die nichts mit einer ehemaligen Selbstständigkeit zu tun haben – ist persönliches Verschulden der Hauptgrund. Oft wurde die eigene finanzielle Kraft schlichtweg überschätzt oder das Konsumverhalten lief aus dem Ruder.
Wien ist die Schulden-Hauptstadt
Auch regional gibt es massive Unterschiede. Wer glaubt, die höchsten Schulden gäbe es am Land, der irrt. Wien ist unrühmlicher Spitzenreiter. In der Bundeshauptstadt wurden nicht nur die meisten Fälle (gut 3.000) gezählt, hier ist auch die Schuldenlast am drückendsten. Mit durchschnittlich 202.000 Euro pro Kopf liegt Wien an der Spitze, dicht gefolgt von Tirol mit 197.000 Euro.
Ganz anders sieht es im Süden aus: In Kärnten ist die Welt finanziell noch vergleichsweise in Ordnung. Hier beträgt der Schuldenstand „nur“ 90.000 Euro pro Kopf. Auch die Schere zwischen Männern und Frauen klafft hier am wenigsten auseinander.
Warnung vor Arbeitslosigkeit
Die Experten blicken sorgenvoll in die Zukunft. Eine Prognose für das laufende Jahr traut sich der KSV zwar nicht zu, doch KSV-Chef Karl-Heinz Götze warnt deutlich vor den Folgen der steigenden Arbeitslosigkeit. „Insbesondere Langzeitarbeitslose könnten in Kombination mit den anhaltend hohen Kosten eher heute als morgen betroffen sein“, so Götze.
Ein Dorn im Auge ist den Gläubigerschützern zudem der aktuelle Tilgungsplan. Sie fordern das Ende der dreijährigen Frist für Privatpersonen. Seit der Einführung 2021 würden die Gläubiger nämlich durch die Finger schauen: Im Schnitt fließt um 31 Prozent weniger Geld zurück als bei der alten Fünf-Jahres-Frist. Ursprünglich war die kurze Entschuldung nur für Unternehmer gedacht, wurde in Österreich aber auf alle ausgedehnt.
Quellen: KSV1870, Salzburger Nachrichten
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