Schulbücher unter Ideologieverdacht: Agenda-Austria-Chef Schellhorn kritisiert einseitige Wirtschaftsvermittlung

Schulbücher unter Ideologieverdacht: Agenda-Austria-Chef Schellhorn kritisiert einseitige Wirtschaftsvermittlung

Franz Schellhorn, Direktor des Thinktanks Agenda Austria, wirft österreichischen Schulbüchern vor, ein systematisch staatsfreundliches und marktfeindliches Weltbild zu vermitteln. Seine Kritik richtet sich konkret gegen ein strukturelles Problem — und hat eine sachliche Grundlage.

Sozialpartner genehmigen Schulbuchinhalte — und nutzen das

In einem Instagram-Video machte Schellhorn auf einen Umstand aufmerksam, der in der Bildungsdebatte kaum Beachtung findet: Inhalte von Schulbüchern — insbesondere in den Fächern Geografie und Wirtschaftskunde — müssen laut österreichischem Schulbuchrecht von den Sozialpartnern abgesegnet werden. Schellhorn konstatiert dabei ein klares Ungleichgewicht. „Da scheint nur eine Seite immer wieder zu schlafen — nämlich die Wirtschaftsseite“, erklärte er laut exxpress.

Das Ergebnis, wie Schellhorn es beschreibt: Globalisierung werde in genehmigten Büchern als „reine Geißel der Menschheit“ dargestellt, ohne einen einzigen Vorteil zu benennen. Freie Märkte gelten als Bedrohung, staatliche Regulierung als Allheilmittel, die Sozialpartnerschaft als unantastbares Heiligtum.

Kein neues Problem — aber ein anhaltend ungelöstes

Schellhorns Kritik ist nicht aus der Luft gegriffen. Der Ökonom und Bildungsforscher Nikolaus Franke hatte bereits in einer 2019 veröffentlichten Studie für die Agenda Austria untersucht, wie wirtschaftliche Konzepte in österreichischen AHS-Schulbüchern dargestellt werden — und dabei erhebliche einseitige Tendenzen festgestellt. Der Anteil staatsskeptischer oder marktorientierter Perspektiven war deutlich unterrepräsentiert. Das Schulbuchgenehmigungsverfahren in Österreich liegt formal beim Bildungsministerium, sieht aber seit Jahrzehnten die Begutachtung durch Sozialpartner vor — ein Verfahren, das von Kritikern als strukturelle Einflussnahme bezeichnet wird.

Was Schellhorn fordert

Schellhorns Forderung ist klar: Statt Kinder in wirtschaftspolitische Denkschulen zu drängen, solle Bildung sie auf das echte Leben vorbereiten — Mietverträge verstehen, den Wert von Geld kennen, eigenständig und selbstständig werden. Finanzbildung statt Ideologie, lautet die Botschaft. Eine Forderung, die in dieser Form auch von der OECD und der EU-Kommission seit Jahren als Bildungsprioritär eingestuft wird — Österreich liegt im europäischen Vergleich bei der schulischen Finanzbildung deutlich unter dem Schnitt.

Was der Artikel noch behauptet — und was davon belegt ist

Der exxpress-Text verknüpft Schellhorns Schulbuchkritik mit weitergehenden Vorwürfen: Genderunterricht für Vierjährige auf Staatskosten, linksideologische Bilderbücher in Kindergärten, FPÖ-Warnungen vor „gezielter Umerziehung“. Diese Vorwürfe werden ohne konkrete Quellenangaben erhoben und sind in dieser pauschalen Form nicht belegt. Sie vermischen eine legitime bildungspolitische Debatte mit parteipolitischer Rhetorik — und schwächen damit die eigentlich nachvollziehbare Kernkritik Schellhorns.

Schellhorns Anliegen ist berechtigt: Wer Schulbücher einseitig gestaltet, erzieht keine selbstständig denkenden Menschen. Aber wer daraus eine Verschwörung zur Umerziehung konstruiert, macht es der anderen Seite leicht, die sachliche Kritik wegzuwischen.


Credits: Von Franz Johann Morgenbesser from Vienna, Austria – IMG_6530, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40047426

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