Die jüngsten Enthüllungen über systematische Misshandlungen in SOS-Kinderdörfern in Kärnten und Tirol erschüttern die Öffentlichkeit. Wie der Falter berichtet, sollen Kinder und Jugendliche über Jahre hinweg Opfer von Gewalt, Essens- und Wasserentzug sowie weiteren grausamen Praktiken geworden sein. Die Vorfälle, die sich zwischen 2008 und 2020 ereignet haben sollen, werfen ein düsteres Licht auf die Institution.
Nacktfotos und Essensentzug: Die erschütternden Details
Laut einer internen Studie, die SOS-Kinderdorf selbst in Auftrag gegeben hat, wurden Kinder nicht nur geschlagen, sondern auch nackt fotografiert. Ein Pädagoge soll diese Bilder auf seinem privaten Laptop gespeichert haben. Besonders schockierend: Eine Kinderdorf-Mutter sperrte ein Mädchen drei Jahre lang jede Nacht in ein Zimmer ein. Kinder wurden mit Essens- und Wasserentzug bestraft, und beim Duschen wurden sie überwacht, um „heimliches Trinken“ zu verhindern, so der Falter.
Gewalt und Vertuschung
Die Studie zeigt auch, dass ein Kinderdorf-Leiter über die Missstände informiert war, diese dokumentierte, aber nicht eingriff. Stattdessen soll er selbst gewalttätig gegenüber den Kindern gewesen sein. SOS-Kinderdorf weist jedoch Vorwürfe zurück, die Vorfälle vertuscht zu haben. „Nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2020 wurde eine umfassende Bearbeitung eingeleitet“, heißt es in einer Stellungnahme.
Auch Tirol betroffen
Wie der Kurier berichtet, sind die Vorfälle in Kärnten kein Einzelfall. Auch im SOS-Kinderdorf Imst in Tirol kam es zu Misshandlungen. Im Sommer 2021 wurden dort ähnliche Vorwürfe bekannt. Die Organisation räumt ein, dass es zu physischer und psychischer Gewalt gegen Kinder kam und Kindeswohlverletzungen nicht immer korrekt bearbeitet wurden. Konsequenzen folgten: Führungskräfte wurden entlassen, und es wurden strukturelle Änderungen vorgenommen.
„Tief betroffen“: SOS-Kinderdorf entschuldigt sich
In einer Stellungnahme zeigt sich SOS-Kinderdorf „tief betroffen“ und entschuldigt sich bei den Betroffenen. Einige Opfer hätten bereits Entschädigungszahlungen und Therapieangebote erhalten. Zudem wurde ein Aufnahmestopp verhängt, der jedoch Ende 2020 wieder aufgehoben wurde. Eine externe Evaluierung der Aufarbeitungsprozesse soll nun sicherstellen, dass die gesetzten Maßnahmen greifen.
Politische Reaktionen: „Kollektiv weggeschaut“
Die Vorfälle rufen auch die Politik auf den Plan. Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer fordert eine lückenlose strafrechtliche Aufarbeitung und die Aufklärung institutioneller Versäumnisse. Grünen-Landessprecherin Olga Voglauer kritisiert, dass „kollektiv weggeschaut“ werde, und sieht das Land Kärnten in der Pflicht.
Ombudsstellen für Betroffene
SOS-Kinderdorf ruft Betroffene dazu auf, sich an externe Ombudsstellen oder die eigene Whistleblowing-Plattform zu wenden, um Missstände zu melden. Die Organisation betont, dass sie alles tun werde, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen.
Quelle: Kurier.at, Falter
Credits: APA
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