Graz wählt in drei Wochen: KPÖ klar vorne, Kahr unschlagbar — aber eine Gefahr lauert

Graz wählt in drei Wochen: KPÖ klar vorne, Kahr unschlagbar — aber eine Gefahr lauert

Am 28. Juni wählt Graz einen neuen Gemeinderat. Laut aktueller Umfrage ist der Ausgang kaum offen. Doch die entscheidende Frage ist nicht, wer gewinnt — sondern wer am Wahltag auch wirklich erscheint.

KPÖ bei 32 Prozent — zehn Punkte vor der ÖVP

Die Kleine Zeitung hat Meinungsforscher Peter Hajek beauftragt, die Stimmung in Graz zu messen. 620 Personen wurden telefonisch und online befragt. Das Ergebnis laut steiermark.orf.at: Die KPÖ käme bei einer Wahl jetzt auf 32 Prozent. Die ÖVP folgt auf Platz zwei mit rund 22 Prozent, die FPÖ auf 15 Prozent, die Grünen auf zwölf, SPÖ und NEOS auf je rund neun Prozent. Die Schwankungsbreite liegt bei knapp vier Prozent.

Gegenüber der letzten Umfrage vom März kann die ÖVP leicht zulegen — auf Kosten der FPÖ. Als Faktor wird dabei laut steiermark.orf.at ÖVP-Spitzenkandidat Kurt Hohensinner genannt: Er findet sogar unter FPÖ-Wählern Anklang als möglicher Bürgermeister.

Kahr dominiert die Direktwahl-Frage

Bei der hypothetischen Frage, wer direkt zum Stadtoberhaupt gewählt werden sollte, ist das Bild noch deutlicher. Wie steiermark.orf.at berichtet, nennen 39 Prozent der Befragten Elke Kahr — mehr als alle anderen Spitzenkandidaten zusammen. Hohensinner, Grünen-Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, FPÖ-Spitzenkandidat René Apfelknab, SPÖ-Spitzenkandidatin Doris Kampus und NEOS-Kandidat Philipp Pointner kommen gemeinsam auf weniger.

Die eigentliche Spannung: Wer kommt wählen?

Das Rennen scheint auf dem Papier gelaufen. Doch Hajek weist auf eine entscheidende Variable hin: 2021 lag die Wahlbeteiligung bei nur 53 Prozent. Das größte Potenzial für Überraschungen liegt damit bei den bisherigen Nichtwählern. Vier von fünf Befragten sagen zwar, sie hätten sich bereits entschieden — aber Entscheidung und Stimmabgabe sind zwei verschiedene Dinge.

Laut steiermark.orf.at geben vor allem ÖVP- und Grünen-Wähler an, unbedingt wählen zu gehen. Für die KPÖ könnte ihre klare Favoritenrolle zum Problem werden: Wenn ein Sieg als sicher gilt, bleiben potenzielle Wähler möglicherweise zu Hause.

Einordnung: Kahr ist ein Sonderfall

Elke Kahr ist in der österreichischen Kommunalpolitik eine Ausnahmeerscheinung. Seit Jahren ist sie bekannt dafür, persönlich Bürgersprechtage abzuhalten, Amtswege zu begleiten und Hilfsbedürftigen direkt zu helfen — ein Stil, der ihr auch über das linke Stammklientel hinaus Sympathien einbringt. Dass KPÖ-Wähler in Graz partout keine sozialistischen Dogmatiker sein müssen, sondern schlicht Menschen, die Kahr vertrauen, zeigt die Direktwahl-Frage: 39 Prozent ist eine Zahl, die deutlich über den politischen Lagergrenzen liegt.

Credits: Christian Jungwirth (Elke Kahr)

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