Schmiererei wird zum Marketingtool: Klagenfurter Konditor kontert mit „Linksextremer Edition“

Schmiererei wird zum Marketingtool: Klagenfurter Konditor kontert mit „Linksextremer Edition“

Eine Klagenfurter Konditorei, ein umstrittener Produktname und eine nächtliche Farbattacke – was seit Dezember schwelt, hat eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Von Dezember bis zur Nacht auf Freitag

Der Konflikt läuft seit Ende 2024: Die Konditorei Zehrer am Alten Platz in Klagenfurt verkauft eine Erdnussschokolade unter dem Namen „Negerbrot“ – und erntet dafür seit Monaten Kritik. Besonders lautstark hatte sich laut heute.at und 5min.at auch Stadttheaterintendant Aron Stiehl gegen die Bezeichnung gestellt, was sogar zu einer direkten Konfrontation in der Konditorei führte. Die Auseinandersetzung landet mittlerweile vor Gericht.

In der Nacht auf Freitag eskalierte der Streit: Aktivisten des selbst ernannten „Widerstandskollektivs Klagenfurt/Celovec“ beschmierten laut 5min.at die Schaufenster der Konditorei mit pinker Kreidefarbe und brachten Plakate an. Darauf standen Sätze wie „Habt ihr den Schuss nicht gehört?!“ und „Rassismus darf keine Tradition sein.“ Das Kollektiv bekannte sich zu der Aktion und bezeichnete sie gegenüber Medien als „legitimes Mittel“ – weitere Proteste wurden angekündigt. Die Polizei erstattete Anzeige und ermittelt wegen Sachbeschädigung, wie heute.at berichtet. Die pinke Farbe wurde inzwischen von einer Reinigungsfirma entfernt.

Die Antwort: „Negerbrot Linksextreme Edition“

Keine 24 Stunden nach der Schmieraktion schlug Zehrer-Chef Peter Nimmervoll zurück – nicht mit Klagen, sondern mit einem neuen Produkt. Wie heute.at und 5min.at berichten, bietet der Konditor im Webshop nun eine „Negerbrot Linksextreme Edition“ an – eine Vollmilch- sowie eine Zartbittervariante, deren Design die rosafarbenen Schlieren der Schmiererei aufgreift. Auf der Shopseite steht laut Zehrer-Webshop: „Das Sonderdesign anlässlich der feigen Schmieraktion, wenn man sich nicht einer linken Minderheit beugt.“ Die ganze Tafel kostet 39,80 Euro. Als Belohnung für zweckdienliche Hinweise zur Ergreifung der Täter lobte Nimmervoll laut heute.at fünf Kilo Negerbrot aus.

Gegenüber der Kleinen Zeitung bezeichnete Nimmervoll die Aktion als „feige“: „Sie waren vermummt und in der Nacht unterwegs und haben nicht den Mut, ihre Meinung offen zu äußern.“ Den Namen seines Produkts werde er nicht ändern: „Wir lassen uns doch nicht erpressen.“

Was hinter dem Streit steckt

Der Begriff „Neger“ gilt laut Sprachwissenschaftlern und Antirassismus-Experten heute als rassistisch und diskriminierend, wie 5min.at und heute.at darlegen. Er stammt aus der Kolonialzeit und wurde über Jahrhunderte verwendet, um Menschen mit dunkler Hautfarbe abwertend zu kategorisieren. Auch historisch verbreitete Produktnamen wie „Negerbrot“ werden heute kritisch gesehen, weil sie laut Fachleuten rassistische Denkmuster fortschreiben können. Nimmervoll hingegen verweist darauf, dass es sich um eine seit Jahrzehnten gebräuchliche Bezeichnung handele – eine rassistische oder beleidigende Absicht weist er entschieden zurück.

Credits: Screenshot Google Maps

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