Wiens Schulen schwitzen unter Rekordtemperaturen. Lehrkräfte berichten von unerträglichen Zuständen – während Standventilatoren und mobile Klimaanlagen aus Brandschutzgründen verboten bleiben.
30 bis 35 Grad zur Mittagszeit
Laut einer Schnellumfrage unter mehr als 150 Wiener Pflichtschulen wurden zuletzt zur Mittagszeit Raumtemperaturen zwischen 30 und 35 Grad gemessen, wie heute.at unter Berufung auf Melanie Rössler, Personalvertreterin der FSG-Pflichtschulvertretung, berichtet. Lehrer berichten in sozialen Netzwerken von unzumutbaren Zuständen – und kritisieren starre Vorgaben bei Kühlung und Beschattung. Für Montag und Dienstag werden erneut Rekordtemperaturen erwartet.
Nachtlüftung nur per Antrag – und bisher kaum genutzt
Fenster dürfen in Wiens Schulen nicht einfach über Nacht geöffnet oder gekippt bleiben – auch nicht in den oberen Stockwerken, wie heute.at berichtet. Dafür ist ein eigener Antrag bei der MA 56 (Wiener Schulen) erforderlich. MA-56-Leiterin Andrea Trattnig erklärt laut heute.at: „Die Wiener Pflichtschulen sollten sich vor der Anwendung einer Nachtlüftung an uns wenden, damit wir einerseits Bescheid wissen und gegebenenfalls auch noch davor Veranlassungen, beispielsweise mit dem Schulwart, treffen können.“ Von insgesamt über 400 Schulstandorten hätten dies seit dem vergangenen Jahr aber nur rund 21 beantragt.
Werde ein Antrag genehmigt, können Fenster außerhalb des Schulbetriebs für Nachtlüftung offenbleiben – mit Augenmerk auf das Erdgeschoss und Gewitterprognosen, wie Trattnig gegenüber heute.at erklärt.
Ventilatoren verboten – Brandschutz als Grund
Besonders brisant: Standventilatoren, Deckenventilatoren und mobile Klimageräte sind an Wiener Schulen generell nicht genehmigungsfähig. Die MA 56 begründet das laut heute.at mit Sicherheits- und Brandschutzvorschriften: Mobile Klimageräte erzeugten zusätzliche Brandlast, könnten Fluchtwege einschränken und benötigten eine Abluftführung über geöffnete Fenster – was im laufenden Unterricht nicht umsetzbar sei. Dazu kämen Lärmbelastung und Haftungsfragen bei privat mitgebrachten Geräten. Auch UV-Schutzfolien oder Außenrollos dürfen nicht eigenständig montiert werden – entsprechende Anliegen müssen über die Schulleitung eingebracht und von der Stadt geprüft werden. Erlaubt sind lediglich mobile Handventilatoren.
Schulsanierungspaket soll langfristig helfen
Langfristig setzt Wien laut Trattnig bei Neubauten auf außenliegende Beschattung, Begrünung und Bauteilaktivierung. Bei Sanierungen bestehender Schulen werden Hitzeschutzmaßnahmen umgesetzt, „soweit dies technisch und aus Sicht des Bundesdenkmalamts möglich ist“. Im April wurde beschlossen, Hitzeschutzmaßnahmen in das Schulsanierungspaket II aufzunehmen – Bezirke können diese Maßnahmen damit zu 40 Prozent aus Mitteln des Zentralbudgets mitfinanzieren. Als kurzfristige Entlastung empfiehlt die Stadt laut heute.at Tagesausflüge für Schulen, die ihre Notenkonferenzen bereits abgeschlossen haben.
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