Mit einem ungewöhnlichen Vergleich hat die österreichische Grünen-EU-Abgeordnete Lena Schilling im Europaparlament für Aufsehen gesorgt: Sie zog in einer Rede zur Verkehrspolitik Parallelen zur Kinderserie „Wickie und die starken Männer“.
Wickie als Vorbild für Brüssel
Im Kern der Rede ging es um europäische Verkehrspolitik, wie exxpress berichtet – konkret darum, dass die EU hier aktuell in die falsche Richtung steuere. „Mehr Öl, mehr Gas, mehr Abhängigkeit“, kritisierte Schilling demnach den aktuellen Status der Verkehrspolitik. Stattdessen solle man sich am kleinen, schlauen Wickie orientieren, der seinen erwachsenen Wikinger-Mannen in der TV-Serie immer wieder aus der Patsche helfe, so Schilling laut exxpress weiter. Das eigentliche Problem sei nicht, dass in der Verkehrspolitik nicht fest genug gerudert werde, sondern dass man in die falsche Richtung steuere.
Verständliche Analogie, fragliches Timing
Der Vergleich ist nachvollziehbar gewählt, wie exxpress anmerkt – fraglich sei allerdings, ob jeder im EU-Parlament die TV-Kinderserie aus den 1970er Jahren überhaupt kennt. Kritiker fragten sich zudem, ob ein Kinder-TV-Vergleich tatsächlich das passende Niveau für die europäische Politik sei, so exxpress.
Erneut im medialen Fokus
Schilling steht damit erneut im öffentlichen Gespräch, wie exxpress schildert. Erst im Mai hatte ihr privates Umfeld für Schlagzeilen gesorgt: Ihr Partner, der niederländische Grünen-Politiker Bas Eickhout, war überraschend als EU-Abgeordneter und Co-Fraktionschef der europäischen Grünen zurückgetreten.
Zum Hintergrund: Wie der ORF und mehrere weitere Medien berichteten, begründete Eickhout seinen Rücktritt damit, in der Vergangenheit „nicht immer das Richtige getan“ zu haben, und sprach von Beziehungen, die „nicht zu meiner Rolle passten“. Laut derStandard und weiteren Berichten ging es dabei konkret um frühere, nicht gemeldete Beziehungen in seinem beruflichen Arbeitsumfeld – nicht um die zu diesem Zeitpunkt bereits öffentlich gemachte Beziehung zu Schilling selbst. Eickhout betonte ausdrücklich, sein Rücktritt habe nichts mit Schilling zu tun, wie auch die Grünen-Fraktion im EU-Parlament bestätigte. Dennoch sorgte die Personalie europaweit für Aufsehen und löste innerhalb der Fraktion Diskussionen über Transparenz und Verhaltensregeln aus.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Der Wickie-Vergleich selbst ist in erster Linie eine rhetorische Petitesse, wie sie in parlamentarischen Reden gelegentlich vorkommt, um komplexe Sachverhalte bildhaft zu vereinfachen – ob das gelingt, ist naturgemäß eine Geschmacksfrage. Bemerkenswerter ist der Kontext, in dem die Episode steht: Schilling gilt seit ihrem Einzug ins EU-Parlament 2024 als eine der medial am intensivsten begleiteten österreichischen Abgeordneten, was sowohl an ihrer politischen Sichtbarkeit als auch an wiederholten Kontroversen um ihre Person liegt. Inhaltlich haben der aktuelle Auftritt und der deutlich gewichtigere Rücktritt ihres Partners im Mai nichts miteinander zu tun, und Eickhouts Rücktrittsgründe betrafen ausdrücklich nicht die Beziehung zu Schilling. Wer beide Ereignisse in einem Atemzug nennt, erzeugt dennoch unweigerlich einen assoziativen Zusammenhang, der sachlich nicht gedeckt ist und Schilling über ihren Partner mitcharakterisiert, obwohl sie mit dessen Rücktrittsgründen nichts zu tun hat.
Credits: Parlamentsdirektion/ Ulrike Wieser
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