Schellhorn verteidigt sich auf Facebook — und liefert dabei genau das, wofür er kritisiert wird

Schellhorn verteidigt sich auf Facebook — und liefert dabei genau das, wofür er kritisiert wird

Staatssekretär Sepp Schellhorn hat auf Facebook erklärt, warum man so wenig von ihm höre: Er arbeite lieber still. Was er dabei nicht erwähnt: Paketankündigungen ohne Substanz und eine Bilanz, die nach über einem Jahr Amtszeit mager wirkt.

Der Post — und was er wirklich sagt

Schellhorn schrieb auf Facebook, 4.800 Einmeldungen über die SEDA-Stelle zeigten, dass die Menschen einen einfacheren Staat wollen. Er sei zwar „wenig sichtbar“, aber das sei kein Problem — er bohre lieber Bretter und liefere Ergebnisse statt medialer Aufmerksamkeit. Das „Einser-Paket“ werde bald abgeschlossen.

Der Satz, der alles zusammenfasst: „Nicht die mediale Bühne zählt.“ Das ist — für einen Politiker, der einen Facebook-Post darüber schreibt, warum er keine Aufmerksamkeit braucht — eine gewisse Ironie.

Was die SEDA-Stelle ist — und was sie gebracht hat

Die SEDA-Plattform — „Servicestelle für Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen“ — sammelt seit Schellhorns Amtsantritt im März 2025 Bürgervorschläge zum Bürokratieabbau. Laut Schellhorn sind inzwischen 4.800 Einmeldungen eingegangen. Das klingt eindrucksvoll — aber wie staatsschulden.at festhält, sind die Einmeldungen nicht öffentlich zugänglich, und die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet: Wie viele davon wurden tatsächlich umgesetzt?

Das erste Deregulierungspaket, das Schellhorn im Dezember 2025 präsentierte, umfasste laut exxtra24.at 113 Maßnahmen — darunter digitale Meldebestätigungen, vereinfachte Passanträge und schnellere Genehmigungsverfahren. ORF-ZiB2-Moderator Armin Wolf bezeichnete das Paket laut salzburg24.at als „viel Marketing-Geschwurbel“. Schellhorn hielt dagegen: Entscheidend sei die Qualität, nicht die Zahl.

Das zweite Paket kommt am 3. Juni — mit „größeren Brocken“

Am 3. Juni 2026 soll das zweite Deregulierungspaket präsentiert werden. Schellhorn kündigt „größere Brocken“ an — Details fehlen. Ob der zweite Anlauf substanzieller wird als der erste, bleibt abzuwarten.

Was wirklich Aufmerksamkeit erzeugt hat

Schellhorns Amtszeit ist bisher vor allem durch Berichte über seinen Dienstwagen aufgefallen. Wie heute.at unter Berufung auf eine parlamentarische FPÖ-Anfrage berichtet, leaste der Staatssekretär einen Audi A8 in der Langversion — im Regierungsviertel inzwischen als „Achter-Sepp“ bekannt. 180 Dienstfahrten wurden seither dokumentiert. Der Eigenanteil für die private Nutzung beträgt seit 1. Jänner 2026 exakt 814,40 Euro monatlich.

Ein Staatssekretär, der weniger Bürokratie verspricht und sich einen der größten verfügbaren Dienstwagen leistet, liefert damit eine Symbolik, die er selbst kaum beabsichtigt haben dürfte.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x