Sanierung wird teurer: EU-Gebäuderichtlinie verschärft Anforderungen für Hausbesitzer

Sanierung wird teurer: EU-Gebäuderichtlinie verschärft Anforderungen für Hausbesitzer

Die EU-Gebäuderichtlinie bringt ab 2026 strengere Vorgaben für energetische Sanierungen – bei gleichzeitig gekürzten Förderungen in Österreich. Für viele Hausbesitzer könnte das teuer werden.

Förderungen drastisch gekürzt

Ab Jänner 2026 gelten in Österreich verschärfte Regeln für Gebäudesanierungen, wie Ad-hoc-News berichtet. Die staatliche Unterstützung für thermische Sanierungen wurde massiv gekürzt: Statt bis zu 50 Prozent übernimmt der Staat jetzt nur noch maximal 30 Prozent der Kosten. Der absolute Förderhöchstbetrag fällt von ehemals 42.000 auf nun 20.000 Euro.

Bereits Anfang Dezember 2025 waren laut Ad-hoc-News rund 90 Millionen Euro des Budgets für 2026 durch Vorregistrierungen gebunden. Das Prinzip „First come, first served“ könnte die verfügbaren Mittel schnell erschöpfen.

Energieberatung wird Pflicht

Wer Fördermittel will, muss sich auf neue bürokratische Hürden einstellen, berichtet Ad-hoc-News. Neu ist eine verpflichtende Energieberatung vor Beginn von Sanierungsarbeiten.

EU-Richtlinie muss bis Mai 2026 umgesetzt sein

Am 13. März 2024 wurde die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) vom EU-Parlament beschlossen, wie Stadtmarketing Austria berichtet. Diese muss bis Ende Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Ziel ist die vollständige Dekarbonisierung des gesamten Gebäudebestands bis 2050.

Die neue OIB-Richtlinie 6 wird für Ende Jänner erwartet, berichtet Ad-hoc-News. Sie soll die EU-Vorgaben in nationales Recht umsetzen und den Weg für den „Zero Emission Building“-Standard ebnen.

Faktische Sanierungspflicht für Nichtwohngebäude

Ein Kernstück der EU-Richtlinie sind die Minimum Energy Performance Standards (MEPS), wie Enion erläutert. Sie schaffen faktisch eine Sanierungspflicht für die energetisch schlechtesten Gebäude. Bis 2030 müssen die 16 Prozent ineffizientesten Nichtwohngebäude saniert sein, bis 2033 sind es 26 Prozent.

Für Wohngebäude gibt es laut Tarife.at derzeit keine individuelle Sanierungspflicht. Jedoch müssen die Mitgliedstaaten nationale Zielpfade festlegen, die den Energieverbrauch von Wohngebäuden bis 2030 um 16 Prozent und bis 2035 um 20 bis 22 Prozent senken. Mindestens 55 Prozent dieser Einsparungen müssen durch die Renovierung der energieineffizientesten Gebäude erreicht werden.

Kosten: Zwischen 5.000 und über 100.000 Euro

Die Kosten energetischer Sanierungen variieren erheblich, wie Infina erläutert. Der Fenstertausch kostet etwa 400 bis 1.000 Euro pro Fenster, die Dämmung der Fassade rund 50 bis 250 Euro pro Quadratmeter.

Die Gesamtkosten können laut Infina zwischen 5.000 Euro (nur Fenstertausch, günstige Variante) und 100.000 Euro oder sogar mehr liegen (Fassaden-, Dach- und Kellerdeckendämmung, Heizungstausch, Fenstertausch).

Nach Schätzung des deutschen Verbands „Haus und Grund“ könnten Sanierungskosten von 1.000 bis 1.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche anfallen, um EU-Mindeststandards zu erreichen. Bei einem Einfamilienhaus mit 100 Quadratmetern würde dies 100.000 bis 150.000 Euro bedeuten.

275 Milliarden Euro jährlich bis 2030

Die Umsetzung der Gebäuderichtlinie wird laut Schätzung der EU-Kommission bis 2030 rund 275 Milliarden Euro pro Jahr kosten, berichtet Stadtmarketing Austria. Zusätzliche EU-Förderungen sind jedoch nicht vorgesehen, es sollen die bereits vorhandenen Ressourcen genutzt werden.

In Österreich sind laut Stadtmarketing Austria rund 40 Prozent des Gebäudebestands sanierungsbedürftig. Europaweit gelten etwa 75 Prozent der Gebäude als nicht energieeffizient.

Nullemissionsgebäude ab 2028

Für Neubauten gelten ab folgenden Stichtagen strengere Standards, wie Stadtmarketing Austria berichtet: Neue öffentliche Gebäude müssen ab 1. Jänner 2028 als Nullemissionsgebäude errichtet werden, alle neuen Gebäude ab 1. Jänner 2030.

Risiko: Stranded Assets

Für Eigentümer bedeutet das laut Ad-hoc-News: Wer jetzt nicht plant oder handelt, riskiert sogenannte Stranded Assets – Immobilien, die wegen ihrer schlechten Energiebilanz kaum noch vermietbar oder verkäuflich sind.

Die Botschaft ist klar, schreibt Ad-hoc-News: Die Zeit des Abwartens ist vorbei.


Quellen:

  • Ad-hoc-News: „EU-Gebäuderichtlinie startet mit schärferen Regeln in Österreich“
  • Stadtmarketing Austria: „EU-Gebäuderichtlinie“
  • Infina: „Ist die energetische Sanierung Pflicht?“
  • Tarife.at: „Energie sparen: Schrittweise Sanierungspflicht bis 2030, 2040 und 2050“
  • Enion: „EU-Gebäuderichtlinie (EPBD)“
  • Better Homes: „Bedeutung der EU-Sanierungspflicht für Immobilien“

Credits: APA

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