Die Ölversorgung für Österreich und Deutschland stand auf der Kippe. Mitten in den abgelegenen Wäldern Norditaliens haben Unbekannte zugeschlagen und die Stromversorgung der lebenswichtigen Transalpinen Ölpipeline (TAL) lahmgelegt. Jetzt laufen die Ermittlungen auf Hochtouren – und die Spur könnte weit über die Grenzen Italiens hinausführen.
Gezielter Anschlag im Unterholz
Es passierte in der idyllischen Provinz Udine. In der Gemeinde Tolmezzo machten sich Saboteure an einem Strommasten des Netzbetreibers Terna zu schaffen. Wie das Portal Il Sole 24 Ore berichtet, haben die Täter offenbar gezielt Markierungen an dem Masten angebracht und ihn dann mit Spezialwerkzeug wie Trennschleifern bearbeitet. Das Ziel war klar: Die Stromzufuhr für die Pumpstation der TAL-Pipeline in Paluzza sollte unterbrochen werden.
Die Täter wussten genau, was sie taten. Da es in dem Waldgebiet keine Überwachungskameras gibt, werten die Ermittler nun Satellitenbilder und Handydaten aus der Funkzelle aus. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Triest, Spezialeinheiten der Carabinieri und sogar italienische sowie deutsche Geheimdienste sind inzwischen in den Fall involviert.
Raffinerien auf dem Trockenen
Der Anschlag verfehlte seine Wirkung nicht. Wie Reuters berichtet, bestätigten Terna und TAL, dass die Pipeline-Aktivitäten vorübergehend gestört waren. Für mehrere Tage floss kein Tropfen Rohöl mehr in Richtung Norden.
Besonders hart traf es die Abnehmer. Wie das Portal Militarnyi unter Berufung auf deutsche Medienberichte aufdeckt, musste die größte deutsche Ölraffinerie MiRO bei Karlsruhe tagelang auf ihre Notreserven zurückgreifen. Auch die Bayernoil-Raffinerie war gezwungen, den Engpass mit eigenen Beständen auszugleichen. Die TAL-Pipeline ist eine strategische Lebensader: Sie transportiert das Öl vom Hafen in Triest über 753 Kilometer bis nach Österreich, Deutschland und in die Tschechische Republik.
Ein internationales Netzwerk?
Die Behörden ermitteln in alle Richtungen. Ist es die Tat einer isolierten Gruppe oder steckt organisierte Kriminalität dahinter? Im Raum steht auch ein möglicher Zusammenhang mit einem vereitelten Anschlag auf eine Gaspipeline zwischen Serbien und Ungarn, bei dem kürzlich Sprengsätze gefunden wurden.
Interessant ist dabei die offizielle Reaktion: Während die Ermittler von einem vorsätzlichen Sabotageakt am Stromnetz ausgehen, dementiert die TAL-Führung Berichte über einen direkten Angriff auf ihre eigenen Anlagen. Wie Montel News berichtet, betonte der Betreiber, dass lediglich ein externer Strommast beschädigt wurde und die Reparaturen nach vier Tagen abgeschlossen waren. Dennoch zeigt der Vorfall erschreckend deutlich, wie verwundbar die kritische Infrastruktur in Europa ist. Die Jagd nach den Tätern geht weiter.
Quelle: oe24, Reuters, Militarnyi, Montel News, Il Sole 24 Ore
Neueste Kommentare