Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair hat angekündigt, ihre Basis am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) zum 24. Oktober 2026 zu schließen. Dies bedeutet, dass die sieben dort stationierten Flugzeuge abgezogen und das Flugangebot um 50 Prozent reduziert wird. Die Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für den Flughafen und die Passagiere.
Hintergrund: Hohe Gebühren und Luftverkehrssteuer
Ryanair begründet den Rückzug mit den hohen Standortkosten in Deutschland. Laut der Airline seien die Flughafenentgelte seit der Pandemie um 50 Prozent gestiegen, und eine weitere Erhöhung um zehn Prozent sei zwischen 2027 und 2029 geplant. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) weist diese Darstellung jedoch zurück und betont, dass eine solche Erhöhung nicht vorgesehen sei. Beide Seiten befinden sich derzeit in Verhandlungen.
Airline-Chef Eddie Wilson kritisierte zudem die deutsche Luftverkehrssteuer, die Ryanair als Wettbewerbsnachteil im europäischen Vergleich sieht. Die Flugzeuge sollen nun an Standorte in Ländern wie Schweden, Italien, Albanien und der Slowakei verlegt werden, wo die Steuer nicht erhoben wird.
Auswirkungen auf den BER und die Passagiere
Mit dem Abzug der Flugzeuge wird das Passagieraufkommen von Ryanair am BER von 4,5 Millionen auf 2,2 Millionen pro Jahr sinken. Verbindungen zu beliebten Zielen wie Bologna, Pisa und Tallinn werden gestrichen, während andere Strecken, etwa nach London, stark reduziert werden. Für Passagiere bedeutet dies weniger Auswahl und möglicherweise höhere Ticketpreise.
Auch für die rund 210 betroffenen Mitarbeiter, darunter Piloten und Kabinenpersonal, hat die Entscheidung Konsequenzen. Ryanair bietet ihnen alternative Positionen innerhalb des europäischen Netzwerks an.
Signalwirkung für die Branche
Ryanairs Rückzug ist kein Einzelfall. Auch andere Billigfluggesellschaften wie Easyjet und Wizz Air haben ihr Angebot in Deutschland reduziert. Die hohen Kosten machen den deutschen Luftverkehr im internationalen Vergleich weniger attraktiv. Die Bundesregierung plant zwar, die Luftverkehrssteuer ab Juli 2026 zu senken, doch ob dies ausreicht, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, bleibt abzuwarten.
Quellen: oe24.at, Spiegel, Focus, Bild, Zeit, aeroTELEGRAPH
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