Nach dem Drohnen-Zwischenfall am Flughafen Leipzig/Halle hat sich der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, erstmals öffentlich zu den Vorwürfen geäußert – und dabei ungewohnt offene Worte gewählt. Im Podcast „ungeskriptet“ von Ben Berndt weist er zwar einen gezielten Anschlag zurück, spricht aber gleichzeitig von einem Kampf gegen die NATO.
Vorwurf eines Anschlags am Flughafen
Auslöser der diplomatischen Krise war ein Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle, bei dem eine Drohne mit Sprengstoff in der Nähe eines ukrainischen Flugzeugs entdeckt wurde. Zu einer Explosion kam es nicht, da der Sprengsatz nicht zündete. Die deutsche Regierung sieht russische Geheimdienste hinter dem Vorfall und reagierte scharf: Russland musste als Konsequenz sein Generalkonsulat in Bonn sowie das Kulturinstitut Russisches Haus in Berlin schließen. Moskau revanchierte sich seinerseits mit einem Verbot der deutschen Goethe-Institute in Russland.
Netschajew weist Anschlagsvorwurf zurück
Im gemeinsamen Gespräch mit dem Podcaster Ben Berndt bestreitet Netschajew, dass sein Land hinter dem Zwischenfall steckt. Er argumentiert, ein gezielter russischer Anschlag hätte deutlich anders ausgesehen: „Hätten wir wirklich gewollt, in Leipzig etwas anzurichten, das könnte, wie Sie ganz bestimmt wissen, ganz anders aussehen.“ Auch eine Provokation gegenüber Bevölkerung oder Regierung schließt er aus.
„Wir kämpfen gegen die NATO“
Deutlich schärfer fällt seine Einschätzung zum aktuellen Verhältnis zwischen Russland und dem Westen aus. Zwar betont Netschajew, weder einen Krieg mit der NATO noch mit Deutschland zu wollen. Zugleich sieht er sein Land aber in einem direkten Konflikt mit dem Bündnis, weil dessen Mitgliedsstaaten – darunter Deutschland – die Ukraine unterstützen und damit aus seiner Sicht selbst zur Kriegspartei werden. In diesem Zusammenhang fällt der Satz, der dem Gespräch seine Brisanz verleiht: „Wir kämpfen gegen die NATO in der heutigen Situation.“ Netschajew war von 2010 bis 2015 bereits als russischer Botschafter in Wien stationiert, bevor er nach Berlin wechselte.
Einordnung des Konflikts
Die Aussagen fallen in eine Phase besonders angespannter Beziehungen zwischen Berlin und Moskau. Russland war 2022 in die Ukraine einmarschiert und versucht seither, das Nachbarland militärisch zu unterwerfen. Der Vorfall in Leipzig reiht sich in eine Serie von Zwischenfällen mit mutmaßlichem russischem Hintergrund im NATO-Luftraum der vergangenen Monate ein, von denen mehrere europäische Flughäfen und Länder betroffen waren. Wie sich die diplomatische Krise zwischen Deutschland und Russland weiterentwickelt, dürfte sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen.
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