Cyberangriff auf Berlin: Hacker veröffentlichen Regierungsgeheimnisse

Cyberangriff auf Berlin: Hacker veröffentlichen Regierungsgeheimnisse

Ein Ransomware-Angriff auf die Berliner Landesverwaltung hat sich zur handfesten Staatsaffäre ausgewachsen. Nachdem ein Lösegeld-Ultimatum verstrichen war, haben Kriminelle hochsensible Daten ins Darknet gestellt – darunter offenbar Krisenpläne der Bundesregierung. Sicherheitsexperten sind alarmiert.

Der Hack im Überblick

Hinter dem Angriff steckt die Ransomware-Gruppe Rhysida, die bereits seit 2023 aktiv ist und sich auf Attacken gegen Unternehmen und Behörden spezialisiert hat. Wie der Berliner Digitalstaatssekretär Florian Hauer mitteilte, begann der eigentliche Datenabfluss bereits zwischen dem 7. und 12. August 2026, blieb zunächst jedoch unentdeckt. Erst am 14. August wurden zwei betroffene Senatsverwaltungen – für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt – vorsorglich vom zentralen Landesnetz getrennt. Die Erpresser forderten in weiterer Folge 30 Bitcoin, umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Berliner Senat verweigerte jedoch die Zahlung, woraufhin die Hacker nach Ablauf ihres Ultimatums wie angedroht die Daten veröffentlichten. Nach Angaben von euronews umfasst das Datenpaket fast sechs Terabyte und knapp 1,44 Millionen Dateien.

„Vollkatastrophe“: Was im Leak steckt

Besondere Brisanz bekommt der Fall durch die Art der erbeuteten Unterlagen. Der Investigativjournalist Lars Winkelsdorf, der die Daten gesichtet hat, schlägt auf der Plattform X Alarm: „Die absolute Vollkatastrophe ist eingetreten.“ Laut oe24.at sollen sich unter den veröffentlichten Dokumenten Unterlagen zu LKA-Ermittlungen, Pläne für den Verteidigungsfall sowie geheime Krisen-Kommunikationswege der Bundesregierung befinden, dazu zahlreiche Telefonnummern und private Adressen. Gegenüber der „Bild“ warnt Winkelsdorf vor den praktischen Folgen: „Jeder Spinner hat jetzt eine Bedienungsanleitung, wie man innerhalb von zwei Tagen die komplette Infrastruktur des Landes lahmlegen kann.“

Politik zeigt sich alarmiert

Auch aus der Bundespolitik kommen besorgte Reaktionen. CDU-Sicherheitsexperte Roderich Kiesewetter äußerte sich gegenüber der „Bild“ bestürzt darüber, dass Kommunikationswege und Krisenpläne offengelegt wurden, und fand deutliche Worte: „So etwas hätte nie passieren dürfen.“

Experten mahnen zur Einordnung

Nicht alle Fachleute teilen die drastische Einschätzung des Journalisten. Chaos-Computer-Club-Sprecher Joachim Selzer erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass die Daten zwar bei entsprechender krimineller Energie durchaus interessant sein können, er die Konsequenzen aber eher mittelfristig erwartet. Als Beispiel nennt er einen im Datensatz enthaltenen Handy-Antrag samt Unterschrift eines Verwaltungsmitarbeiters – solche Unterschriftenproben könnten für Kriminelle durchaus nützlich sein.

Zurückhaltender äußerte sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Wie „Focus online“ berichtet, verwies eine Sprecherin darauf, dass sich aus der Veröffentlichung gestohlener Daten grundsätzlich verschiedene Risiken für Betroffene und die Gesellschaft ergeben können, und dass Daten mit Bezug zu kritischer Infrastruktur je nach Sensibilität auch die allgemeine Bedrohungslage erhöhen könnten.

Wie weitreichend die Folgen des Datenlecks tatsächlich ausfallen, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen – Ermittlungen zum genauen Umfang des Datenabflusses laufen weiterhin.

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