Russland überholt: Österreicher sehen die USA als größte Bedrohung für den Weltfrieden

Russland überholt: Österreicher sehen die USA als größte Bedrohung für den Weltfrieden

Vor zwei Jahren war es für die meisten Österreicher noch eindeutig: Russland ist die größte Gefahr für den Frieden. Heute sehen das 37 Prozent anders — und zeigen mit dem Finger auf Washington.

Die Zahlen und woher sie kommen

Das Magazin Der Pragmaticus veröffentlichte am Freitag eine Umfrage des Instituts Unique Research, durchgeführt vom 29. April bis 5. Mai 2026 unter 835 wahlberechtigten Österreichern — statistisch repräsentativ mit einer Schwankungsbreite von 3,4 Prozent. Das Ergebnis ist eindeutig: 37 Prozent nennen die USA als größte Bedrohung für den Weltfrieden, wie oe24.at berichtet. 33 Prozent nennen Russland. Die EU landet bei acht Prozent, China bei vier.

Zum Vergleich: In einer ähnlichen Umfrage vor zwei Jahren nannten laut oe24.at noch 60 Prozent Russland als größte Bedrohung — und nur 15 Prozent die USA. Innerhalb von 24 Monaten hat sich das Bild also vollständig gedreht.

„Dieses Bild hat sich nahezu umgedreht“

Meinungsforscher Peter Hajek kommentierte die Ergebnisse laut oe24.at mit ungewohnter Deutlichkeit: „Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die USA für Österreich und Europa wirtschaftliches, politisches und kulturelles Vorbild. Dieses Bild hat sich nahezu umgedreht.“ Nur noch jeder Fünfte habe ein positives Bild von den USA, drei Viertel sähen sie negativ. Der Anteil mit sehr negativem USA-Bild hat sich seit 2024 von 14 auf 29 Prozent mehr als verdoppelt.

Die Detailwerte sind noch deutlicher: 63 Prozent sehen die USA als autoritär, nur 25 Prozent als demokratisch. 70 Prozent empfinden sie als verantwortungslos, nur 20 Prozent als verantwortungsvoll. 77 Prozent meinen, die USA hätten zu viel Einfluss und seien nur auf Profit aus.

China als Weltmacht von morgen — USA im Niedergang

Besonders aufschlussreich ist die Frage nach der künftigen globalen Führungsmacht. Nur 16 Prozent der Befragten erwarten laut oe24.at, dass die USA in zehn Jahren wirtschaftlich und politisch führend sein werden. China führt mit 46 Prozent — mit weitem Abstand. Die EU kommt auf sieben Prozent, Indien auf vier, Russland auf drei.

Einordnung: Stimmung als Reaktion auf Trump — aber mit Grenzen

Die Zahlen sind aussagekräftig, brauchen aber Kontext. Die Umfrage wurde im April/Mai 2026 durchgeführt — mitten in einer Phase, in der der Iran-Krieg unter US-Beteiligung läuft, Trumps Zollpolitik die transatlantischen Beziehungen belastet und die europäische Öffentlichkeit die USA zunehmend als unberechenbaren Akteur wahrnimmt. Hajek trifft den Kern: Die USA galten früher auch als „radikal demokratisch“ — genau diese Strahlkraft ist beschädigt.

Was die Umfrage nicht beantwortet: Was genau die Befragten unter „Bedrohung für den Weltfrieden“ verstehen. Russland führt seit 2022 einen Angriffskrieg in Europa mit Hunderttausenden Toten — ein Fakt, der in der Wahrnehmung offenbar zunehmend hinter das allgemeine Unbehagen über Trumps Amerika zurücktritt. Das ist eine politisch-psychologisch interessante Verschiebung, aber nicht zwingend eine strategische Lagebeurteilung.

Credits: Von Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America – Donald Trump, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=134983607

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x