In der SPÖ brodelt es gewaltig. Während die Preise für die Österreicher weiter steigen, wächst der parteiinterne Druck auf die eigene Regierungsspitze. Die Genossen fordern lautstark, dass die SPÖ endlich ernsthaft gegen die Teuerung kämpft. Doch die Maßnahmen, die auf dem Tisch liegen, sorgen für Zündstoff und entlarven tiefe Gräben innerhalb der Partei.
„Nur Sparen ist zu wenig!“
Der Unmut an der roten Basis ist mit Händen zu greifen. „Nur sparen, sparen, sparen, kann nicht die einzige Rolle der SPÖ in der Regierung sein“, zitiert das Onlineportal oe24.at einen unzufriedenen Roten. Die Kritik ist klar: Die Partei, die sich traditionell als Schutzschild der kleinen Leute versteht, müsse mehr tun, als nur den von Finanzminister Markus Marterbauer verordneten Sparkurs zu verwalten.
Selbst der mächtige Wiener Bürgermeister Michael Ludwig, der laut oe24.TV eigentlich „wenig von diesen SPÖ gegen SPÖ-Spielen“ hält, erwartet sich von der Regierung rasche und wirksame Maßnahmen. Der Druck kommt also nicht nur von einfachen Mitgliedern, sondern auch von den Schwergewichten der Partei.
Das große Versprechen: Inflation unter 2 Prozent
Angesichts der internen Revolte geht die SPÖ-Spitze in die Offensive. Klubobmann Philip Kucher verkündete via OTS-Aussendung ein ambitioniertes Ziel: „Die Inflation muss 2026 unter 2 Prozent fallen. Sollten unsere Maßnahmen dazu nicht reichen, werden wir weitere Maßnahmen liefern.“ Ein gewagtes Versprechen, das die Partei unter Zugzwang setzt. Kucher betont, dass man in den ersten sieben Monaten in der Regierung bereits mehr gegen die hohe Inflation unternommen habe als die Vorgängerregierungen in sieben Jahren. Konkret nennt er einen Mietpreis-Stopp, Eingriffe bei den Energiekosten und Gesetze gegen versteckte Preiserhöhungen.
Von Preiskommission bis Pensionskompromiss
Doch welche Mittel will die SPÖ einsetzen? Parteichef Andreas Babler und Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim bringen, wie diepresse.com berichtet, scharfe Instrumente ins Spiel. Sie drohen dem Handel offen mit Markteingriffen, sollte dieser die Lebensmittelpreise nicht senken. Zur Debatte steht eine „Preiskommission, die Preise unter bestimmten Bedingungen festsetzen kann“, so Seltenheim. Ein direkter Eingriff in den Markt, der beim Koalitionspartner Neos für wenig Begeisterung sorgt.
Gleichzeitig muss die Parteiführung unpopuläre Entscheidungen verteidigen. Wie der ORF berichtet, rechtfertigte Babler bei der Klubklausur in Salzburg den Kompromiss bei der Pensionsanpassung, durch den nicht alle Pensionisten den vollen Inflationsausgleich erhalten. Er versicherte jedoch, dass das gesetzliche Pensionsalter „unverhandelbar“ sei. Ein Spagat, der zeigt, wie schwierig es für die SPÖ ist, den Spardruck des Budgets mit den eigenen sozialen Ansprüchen zu vereinen.
Die Partei steckt in einem Dilemma: Sie muss Verantwortung im Regierungsamt zeigen und ein Milliardendefizit sanieren, wie auf der spoe.at-Webseite betont wird. Gleichzeitig erwarten ihre Wähler und Mitglieder spürbare Entlastungen, die Geld kosten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die SPÖ diesen internen Zerreißtest besteht oder ob der Kampf gegen die Teuerung zum Brandbeschleuniger für die eigenen Konflikte wird.
Credits: APA
Neueste Kommentare