Der WM-Skandal um die aufgehobene Balogun-Sperre zieht immer weitere Kreise. Nun meldet sich ausgerechnet der Mann zu Wort, der selbst wegen Korruption verurteilt wurde – und trifft damit den Nerv vieler.
Blatter: „Quo vadis, FIFA?“
Kaum jemand kennt die FIFA-Strukturen besser – und kennt ihre Fehler besser – als Ex-FIFA-Präsident Joseph Blatter. Der 90-jährige Schweizer, der 2015 selbst wegen Korruption zurücktreten musste, meldete sich auf X zu Wort und wählte klare Worte, wie oe24 und Euronews berichten. „Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert“, schrieb Blatter. Sollte ein US-Präsident tatsächlich beim FIFA-Präsidenten interveniert und dadurch eine Sperre aufgehoben worden sein, stelle sich die Frage: „Quo vadis, FIFA?“ Sein Fazit: „Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden.“
Klopp: „Rote Karte“ für die FIFA
Auch Jürgen Klopp schaltete sich laut oe24 ein und erhielt viel Zustimmung in den sozialen Netzwerken: Der ehemalige Liverpool- und Bayern-Trainer übte scharfe Kritik an der FIFA-Entscheidung – und wurde damit zum Symbol der Empörung aus dem Profi-Fußball-Umfeld.
Belgien prüft rechtliche Schritte – und reagiert mit Würde
Der Belgische Fußballverband (KBVB) teilte laut Euronews mit, er prüfe „alle möglichen Optionen“, um die Rechte aller Teilnehmer zu schützen. Teamchef Rudi Garcia sprach am Sonntag von einem möglichen „Aprilscherz“. Torhüter Thibaut Courtois sagte laut oe24, die kurzfristige Entscheidung habe das Team überrascht. Sportlich blieb Belgien dennoch professionell: Es bestritt das Achtelfinale – mit dem Ergebnis, das die Sportschau und t-online als Nächstes berichten werden.
Was die FIFA zur Rechtfertigung sagt – und was fehlt
Die FIFA beruft sich auf Artikel 27 des Disziplinarreglements, der eine Aussetzung von Strafen zur Bewährung erlaubt. Wie wir bereits gestern berichteten, war diese Möglichkeit bei der WM 2026 für keinen anderen Spieler angewendet worden, der eine Rote Karte erhalten hatte. Ein FIFA-Vizepresident bezeichnete die Entscheidung laut oe24 anonym als „absolute Schande“. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben den Bericht über den Trump-Infantino-Anruf kommentiert. Trump selbst bedankte sich öffentlich auf Truth Social bei der FIFA dafür, „das Richtige getan“ zu haben.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Dass ausgerechnet Sepp Blatter – selbst wegen Korruption verurteilt – derjenige ist, der am deutlichsten auf das Integritätsproblem der FIFA hinweist, sagt viel über den Zustand des Weltverbands aus. Wenn ein 90-jähriger Ex-Präsident mit eigenem Strafregister noch die glaubwürdigste Stimme für Regelkonformität ist, hat der Weltfußball ein strukturelles Problem – unabhängig davon, wie das Spiel USA gegen Belgien ausgeht. Was nach diesem Turnier übrig bleiben wird, ist eine grundsätzliche Frage: Unter welchen Bedingungen akzeptieren Gastgebernationen der Zukunft, dass ein Spieler ihrer Nationalmannschaft gesperrt werden könnte – ohne dass der Staatschef eingreift?
Credits: KI-erzeugtes Bild
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