„Ein echter Krieg“: Kremls Sprachkehrtwende nach vier Jahren Spezialoperation

„Ein echter Krieg“: Kremls Sprachkehrtwende nach vier Jahren Spezialoperation

Mehr als vier Jahre lang war das Wort „Krieg“ in Russland offiziell verboten. Wer es verwendete, riskierte strafrechtliche Konsequenzen. Jetzt sagt es Putins eigener Sprecher – und nennt dafür einen klaren Schuldigen.

Was Peskow sagte – und wo

Kremlsprecher Dmitri Peskow gab dem staatlichen russischen Sender Vesti ein Interview und wählte dabei Worte, die seit Februar 2022 in der russischen Öffentlichkeit strafbewehrt waren. „Es herrscht Krieg – ein echter Krieg“, sagte Peskow laut t-online und der Weltwoche. „Wissen Sie, warum es ein Krieg ist? Weil alles als militärische Spezialoperation begann. Inzwischen geht es als Krieg weiter, weil hinter Kiew sowohl Berlin als auch Paris, Den Haag, Oslo und leider auch Washington stehen.“ Peskow fügte hinzu, westliche Länder helfen der Ukraine, mithilfe ihrer Satelliten Ziele zu erfassen und ausländische Waffensysteme über ihre gesamte Infrastruktur auf russische Ziele zu richten.

Der rhetorische Bruch – vier Jahre Sprachkontrolle

Was Peskow damit vollzieht, ist ein bemerkenswerter Kurswechsel, wie die Weltwoche und t-online übereinstimmend hervorheben. Seit dem russischen Einmarsch im Februar 2022 hatte die russische Führung den Begriff „Krieg“ konsequent vermieden. Wer in Russland öffentlich von einem Krieg sprach, konnte nach dem Gesetz zur „Diskreditierung der Armee“ oder wegen der Verbreitung angeblicher Falschinformationen strafrechtlich verfolgt werden. Die Bezeichnung „militärische Spezialoperation“ war zur staatlichen Pflichtformulierung geworden – in Medien, Schulen und öffentlichen Reden. Nun bricht Putins Sprecher mit dieser Sprachregelung – und gibt dem Krieg seinen Namen.

Die Botschaft dahinter: Schuld liegt beim Westen

Peskows Wortwahl ist kein Versehen, sondern strategisch. Indem er die Eskalation zum „echten Krieg“ direkt mit westlicher Militärhilfe verknüpft, schiebt Moskau die Verantwortung für die neue Qualität des Konflikts auf Berlin, Paris, Den Haag, Oslo und Washington. Es ist eine Argumentation, die im Kreml seit Monaten wächst: Nicht Russland habe eskaliert – der Westen habe aus einer begrenzten Operation einen Krieg gemacht. Dass genau zu diesem Zeitpunkt auch die Alltagsauswirkungen des Konflikts in Russland selbst spürbarer werden – Treibstoffengpässe, Tankstellenwarteschlangen, Stromausfälle auf der Krim – ist kein unwichtiger Kontext, wie die Weltwoche festhält.

Was Beobachter darin sehen

Beobachter sehen in Peskows Aussage laut oe24 den Versuch, die russische Bevölkerung auf einen langwierigen Konflikt einzustimmen – und gleichzeitig eine mögliche weitere Eskalation der eigenen Kriegsanstrengungen vorzubereiten. Die sprachliche Anerkennung des Krieges macht es Moskau leichter, künftige Maßnahmen als verhältnismäßige Reaktion auf einen „echten Krieg“ darzustellen.

Credits: Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163

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