Rheinmetall trennt sich von Autosparte: Verkauf im ersten Quartal geplant

Rheinmetall trennt sich von Autosparte: Verkauf im ersten Quartal geplant

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall vollzieht einen strategischen Kurswechsel und trennt sich von seinem kriselnden Automobilgeschäft. Die Sparte Power Systems soll in den kommenden Wochen verkauft werden – mit Garantien für rund 3.500 Beschäftigte.

Von sieben auf zwei Bieter

Die Verhandlungen laufen bereits seit April 2025. Wie das Handelsblatt berichtet, hat Konzernchef Armin Papperger das Feld der Interessenten von ursprünglich sieben auf zwei finale Bieter eingegrenzt. Eine Vertragsunterzeichnung wird für das erste Quartal 2026 angestrebt – also bis Ende März.

Welche Unternehmen konkret im Rennen sind, gibt Rheinmetall offiziell nicht bekannt. Laut Handelsblatt soll auch der Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) zu den Interessenten gehören. Strategische Investoren aus der Automobilbranche zeigen hingegen kein Interesse – ein deutliches Zeichen für die Krise der Sparte.

Dreijährige Beschäftigungs- und Standortgarantie

Um den Verkauf sozialverträglich zu gestalten, hat Rheinmetall gemeinsam mit den Betriebsräten und der IG Metall einen umfassenden Überleitungstarifvertrag ausgehandelt. Wie das Unternehmen am 13. Februar mitteilte, sichert dieser Vertrag den Beschäftigten an den deutschen Standorten eine dreijährige Beschäftigungs- und Standortgarantie zu.

„Rheinmetall steht zu seiner Verantwortung“, betont Personalvorständin Vera Saal laut Unternehmensangaben. Die Vereinbarung ist nach dem Verkauf auch für den neuen Eigentümer bindend. Zusätzlich erhalten die rund 3.500 Beschäftigten für das gesamte Geschäftsjahr 2026 eine Ergebnisbeteiligung.

Margen im Keller – Rüstung boomt

Die wirtschaftlichen Zahlen liefern klare Argumente für den Verkauf. Während Power Systems noch etwa 20 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet, stagniert das Wachstum. Wie Industriemagazin berichtet, liegt die operative Marge im Automobilbereich bei mageren 4,2 Prozent – im Rüstungssegment sind es hingegen 19 Prozent.

Im ersten Quartal 2025 gingen die Umsätze bei Power Systems um knapp sieben Prozent auf 505 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis brach sogar um 70,4 Prozent auf nur noch neun Millionen Euro ein. Gleichzeitig legten die Bereiche Munition, Rüstungselektronik und geschützte Fahrzeuge um 30 bis 60 Prozent zu.

350 Millionen Euro Abschreibung

Rheinmetall schreibt für den Verkauf der Sparte 350 Millionen Euro ab. Die betroffenen Gesellschaften werden bereits bilanziell als nicht fortgeführte Geschäftsbereiche ausgewiesen – ein deutliches Signal, dass die Trennung vollzogen wird.

Was gehört zu Power Systems?

Die Autosparte umfasst mehrere Produktionsbereiche, die auf Komponenten für Verbrennungsmotoren spezialisiert sind. Dazu gehören Abgasnachbehandlungssysteme zur Reduktion von Stickoxiden, Pumpen und Ventilsysteme für den Kraftstoff- und Ölkreislauf sowie weitere Komponenten für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie.

Teile der Sparte hatte Rheinmetall bereits in der Vergangenheit verkauft: Das Kleinkolbengeschäft ging 2024 an die Beteiligungsgesellschaft Comitans Capital, der Großkolbenbereich wechselte im Januar 2023 den Besitzer.

Fokus auf Rüstung

Mit dem Verkauf vollzieht Rheinmetall die Transformation zu einem reinen Rüstungskonzern – einem sogenannten „Pure Player“. Einzelne Werke der bisherigen Autosparte stellt der Konzern bereits auf die Produktion von Rüstungsgütern um. Angesichts steigender Verteidigungsbudgets in Europa verspricht sich Papperger deutlich attraktivere Wachstumschancen im militärischen Bereich.

Credits: APA

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