Reykjavik-Besuch: Meinl-Reisinger will Island als EU-Partner gewinnen

Reykjavik-Besuch: Meinl-Reisinger will Island als EU-Partner gewinnen

Ein Besuch in Reykjavik, ein Referendum im Sommer — und eine Frage, die Island seit Jahren spaltet. Österreichs Außenministerin mischt sich jetzt ein.

Meinl-Reisinger in Reykjavik

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) reiste am Freitag nach Island und traf dort ihre Amtskollegin Thorgerdur Katrín Gunnarsdóttir zu bilateralen Gesprächen. Thema war unter anderem die Frage eines möglichen EU-Beitritts Islands. Laut Außenministeriumsaussendung, wie oe24.at berichtet, bezeichnete Meinl-Reisinger Island als EU-Mitglied als „einen Gewinn“ — für Europas geostrategische Handlungsfähigkeit, seine Wettbewerbsfähigkeit und seinen Weg zu erneuerbaren Energien. Island sei bei Geothermie und Freiheitsenergien „Partner und Vorbild“, so die Außenministerin.

Was am 29. August zur Abstimmung steht

Der Besuch kommt nicht ohne Kontext. Am 29. August 2026 hält Island ein Referendum ab — die Frage lautet schlicht: Sollen die Verhandlungen über Islands EU-Mitgliedschaft wieder aufgenommen werden? Wie Reuters und AP berichten, beschloss die Regierung von Premierministerin Kristrún Frostadóttir im März 2026 diesen Termin. Das Ergebnis bindet Island noch nicht an einen Beitritt — es entscheidet lediglich über die Wiederaufnahme von Gesprächen. Für ein finales Beitrittsabkommen wäre ein weiteres Referendum nötig.

Eine lange Geschichte mit offenem Ausgang

Island ist kein EU-Neuling in Sachen Annäherung. Bereits 1994 trat das Land dem Europäischen Wirtschaftsraum bei und übernahm damit weite Teile des EU-Binnenmarkts. Seit 2001 ist es Schengen-Mitglied. Nach der schweren Finanzkrise 2008 stellte Island 2009 einen formellen Beitrittsantrag und verhandelte zwischen 2010 und 2013 elf von 33 Kapiteln ab. Dann kam die Kehrtwende: Die Wirtschaft erholte sich, der Druck ließ nach, und 2015 wurden die Gespräche ausgesetzt, wie Euronews und Wikipedia dokumentieren.

Was die Lage 2026 verändert hat, erklärt Wikipedia präzise: Die zunehmend feindselige US-Politik unter Trump, der Zollstreit mit der EU und — besonders — Trumps Annexionspläne für Grönland, die Anfang 2026 eine diplomatische Krise auslösten. Ein US-Botschafter bezeichnete Island öffentlich als künftigen „52. Bundesstaat der USA“. Das hat die Debatte in Island neu entfacht. Laut AP und Reuters beschleunigte die Regierung deshalb den ursprünglich für 2027 geplanten Referendumstermin.

Fischerei bleibt die Knackfrage

Ob die Isländer Ja sagen, ist offen. Wie riffreporter.de in einer Analyse festhält, ist die öffentliche Meinung vorsichtig positiv — eine Mehrheit scheint die Wiederaufnahme von Gesprächen zu befürworten, aber volle Mitgliedschaft ist eine andere Frage. Das historische Kernproblem bleibt die Fischerei: Island ist eine der größten Fischereinations der Welt, und die EU-Gemeinsame Fischereipolitik würde bedeuten, dass andere EU-Staaten Zugang zu isländischen Gewässern bekämen. Das war 2013 ein zentraler Grund für den Rückzug — und ist es heute noch.

Österreich hat in dieser Frage kein direktes Eigeninteresse. Dass Meinl-Reisinger dennoch nach Reykjavik fliegt und öffentlich für einen Beitritt wirbt, ist ein Signal: Wien will seinen neuen UN-Sicherheitsratssitz und seinen Status als aktiver EU-Außenpolitikpartner sichtbar machen.

Credits: BKA-Tarek Wilde

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