Sparpakete, Koalitionsstreit, Budgetdruck — wer gerade in der Regierung sitzt, hat es schwer. Das aktuelle Polit-Barometer der Lazarsfeld Gesellschaft macht das schonungslos sichtbar.
Die Methodik: Saldo aus Zustimmung und Ablehnung
Jeden Monat befragt die Lazarsfeld Gesellschaft im Auftrag von oe24 rund 1.000 Menschen, wer ihnen positiv und wer negativ aufgefallen ist. Der Saldo aus beiden Werten ergibt den Barometerwert. Wie oe24.at berichtet, gilt dabei eine einfache Grundregel: Wer gerade regiert und Maßnahmen verantworten muss, hat fast automatisch mehr Gegenwind. Das zeigt die aktuelle Befragung vom 1. und 2. Juni 2026 deutlich.
Tanner führt — Kantige schlagen Vorsichtige
Beste unter den Ministerinnen und Ministern ist laut oe24.at Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) mit einem Saldo von -6. Ihr beharrliches Eintreten für einen längeren Wehrdienst mag polarisieren — bringt ihr aber Respekt. Platz zwei belegt Agrarminister Norbert Totschnig (ÖVP), der vor allem vom geringen Bekanntheitsgrad profitiert: wenig Zustimmung, aber auch wenig Ablehnung.
Bemerkenswert auf Platz drei: Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP), die trotz eines Rückgangs von vier Punkten auf dem Stockerlplatz bleibt — ausgerechnet weil sie keinen Koalitionsstreit aus dem Weg geht.
Marterbauer überrascht, Babler enttäuscht
Der populärste SPÖ-Politiker im Barometer ist laut oe24.at Finanzminister Markus Marterbauer auf Platz vier. Würde man nur die Positivwerte zählen, läge er sogar vor Tanner. Knapp dahinter: SPÖ-Verkehrsminister Peter Hanke. Dagegen verlor Frauen- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, die Anfang des Jahres noch weit vorne lag, deutlich an Boden und rangiert nur noch im Mittelfeld.
Die Ampelchefs: Alle im Minus
Die drei Regierungsspitzen schneiden allesamt schlecht ab. Kanzler Christian Stocker (ÖVP) kommt mit einem Saldo von -22 noch am besten weg — immerhin liegt er mit 19 Prozent Zustimmung im Spitzenfeld. Außenministerin Meinl-Reisinger kommt auf -27. Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) ist mit einem Saldo von -35 der unbeliebteste Bundespolitiker im aktuellen Barometer. Starker Gegenwind, schwache Zustimmung — das Muster eines Regierungspartners, der seinen eigenen Wähler kaum überzeugt.
Kickl im Plus — aber das ist Oppositions-Arithmetik
FPÖ-Chef Herbert Kickl ist laut oe24.at der bestbewertete Bundespolitiker mit einem Saldo von knapp +1. Das klingt nach Triumph — bedarf aber einer Einordnung. Kickl muss keine Sparpakete schnüren, keine Koalitionskompromisse verteidigen und keine unpopulären Entscheidungen treffen. Opposition ist im Umfragebarometer strukturell im Vorteil: Man kann Versprechen machen, ohne sie einhalten zu müssen.
Der eigentliche Umfragekönig sitzt in der Steiermark
Der beliebteste Politiker Österreichs ist laut dem Barometer weder ein Regierungsmitglied noch ein Bundespolitiker — es ist Steiermarks Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) mit einem Saldo von +20. Bemerkenswert: Das gilt trotz eines laufenden Sparkurses im Land, des Finanzskandals der Grazer FPÖ und eigener Ermittlungen. Kunasek profitiert offenbar noch vom Newcomer-Bonus seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren — und davon, dass er auf Landesebene als entschlossen und klar gilt, ohne die Bürde der Bundespolitik zu tragen.
Knapp im Plus hält sich auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ). Alle anderen Landeshauptleute liegen im negativen Bereich.
Credits: BKA-Chrisopher-Dunker
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