Kurz vor dem vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine verdichten sich die Hinweise auf eine wirtschaftliche Krise in Moskau. Interne Analysen der Bundesregierung zeichnen das Bild einer Finanz- und Versorgungskrise, die sich kaum noch kaschieren lässt, wie die Bild-Zeitung berichtet.
Öleinnahmen halbiert sich
Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft, lange Zeit das finanzielle Rückgrat der russischen Kriegsführung, sind laut dem Bericht massiv eingebrochen. Als Gründe werden der fallende Weltmarktpreis und westliche Sanktionen genannt. Der Rückgang könnte bis zu 50 Prozent betragen – mit direkten Folgen für die Finanzierung des Staatshaushalts, wie die Weltwoche schreibt.
Wie Goldman Sachs in einer Analyse feststellt, sind die russischen Ölexporteinnahmen in diesem Jahr um 50 Prozent gefallen, gemessen in Rubel von umgerechnet 7,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf nur noch 3,7 Prozent. Das russische Finanzministerium bestätigte, dass die Steuereinnahmen aus dem Erdöl- und Erdgasexport im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent gesunken sind, berichtet Business Insider.
Wie Reuters auf Basis eigener Berechnungen meldet, werden die Steuereinnahmen aus dem Energiesektor im Januar voraussichtlich um 46 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat sinken – auf rund 420 Milliarden Rubel (etwa 5,4 Milliarden US-Dollar). Das ist der niedrigste Stand seit August 2020.
Kriegshaushalt in der Krise
Rund 40 Prozent der russischen Staatsausgaben fließen inzwischen in Verteidigung und Sicherheit, was den Charakter eines „Kriegshaushalts“ deutlich macht, wie die Bundesregierung laut Weltwoche analysiert. Die Öl- und Gaseinnahmen machen etwa ein Viertel der russischen Einnahmen aus und sind eine wesentliche Finanzierungsquelle für Moskaus Militäreinsatz in der Ukraine, schreibt die Berliner Zeitung.
Sanktionen treffen die Schattenflotte
Die Exportmechanik selbst ist beschädigt, wie Finanzmarktwelt.de analysiert. Während die Rohölexporte vergleichsweise stabil blieben, brachen die Einnahmen aus Ölprodukten ein. Ihr Anteil an den Öleinnahmen sank auf 45,5 Prozent, einen der niedrigsten Werte seit Beginn des Krieges. Russland exportiert mehr Rohöl, verliert jedoch Wertschöpfung, wo früher die Margen lagen.
Seit August griffen ukrainische Streitkräfte mehr als fünfzig Raffinerien an, wie Finanzmarktwelt.de berichtet. Bis zu 15 Prozent der Verarbeitungskapazität fiel zeitweise aus. Raffinerien in Rjasan, Tuapse und Nowoschachtinsk erlitten wiederholt Treffer. Fehlende westliche Technologie und Sanktionsbarrieren verzögerten Reparaturen erheblich.
Parallel weiteten die USA und die EU ihre Sanktionen aus. Das achte EU-Sanktionspaket untersagt laut der Europäischen Kommission Importe von Produkten aus russischem Rohöl, unabhängig vom Ort der Verarbeitung. Raffinerien in Indien, der Türkei und China reduzierten Lieferungen.
Ab dem 21. Januar 2026 müssen Importeure von raffinierten Erdölprodukten lückenlos belegen, dass kein russisches Rohöl verarbeitet wurde, wie Ad-hoc-news.de berichtet. Die neue Nachweispflicht stellt Unternehmen vor erhebliche bürokratische Hürden.
Indien dreht den Hahn zu
Indien – ein bisheriger Schlüsselkunde – kündigte an, seine Ölimporte aus Russland um 28 Prozent zu reduzieren, schreibt die Weltwoche. Wie Xpert.Digital berichtet, bezieht Indien etwa 38 Prozent seines Rohöls aus Russland und war bis Ende 2025 der wichtigste Kunde. Der Rückgang ist politisch erzwungen: Indien steht unter massivem Druck der Trump-Regierung. Die USA drohten mit Sanktionen gegen Länder, die weiterhin russisches Öl kaufen.
Laut Medienberichten, zitiert von der Weltwoche, lagern gegenwärtig mehr als 140 Millionen Barrel russisches Rohöl unverkauft auf See – doppelt so viel wie noch im Sommer 2025.
Wie FXStreet berichtet, verschiffte Russland in den vier Wochen bis zum 4. Januar 2026 täglich 3,43 Millionen Barrel – rund 440.000 Barrel weniger als im Zeitraum bis zum 21. Dezember 2025. Der Wert der Ausfuhren lag im Schnitt bei 960 Millionen Dollar pro Woche und damit um zehn Prozent unter dem vorherigen Zeitraum.
Wachsende Abhängigkeit von China
Russlands wirtschaftliche Abhängigkeit von China wächst dramatisch. Nach Einschätzung der Bundesregierung stammen mittlerweile 87 Prozent der kriegsrelevanten Industrieimporte aus der Volksrepublik, wie die Weltwoche berichtet. Russland liefert billiges Rohmaterial, China setzt die Produkte auf den Weltmärkten ab, analysiert Finanzmarktwelt.de.
China, das etwa 47 Prozent des russischen Öls abnimmt, hat seine Haltung vorerst nicht geändert, berichtet Xpert.Digital. Peking setzt weiter auf den Handel mit Russland. Doch wie Osteuropa.lpb-bw.de schreibt, ist der Handel insgesamt mit China 2025 erstmals nach fünf Jahren rückläufig. Das Handelsvolumen mit China sank 2025 um circa zehn Prozent.
Negativtrend verstärkt sich
Das Fazit der internen Berliner Analyse: „Der Negativtrend der russischen Wirtschaftslage verstärkt sich“, zitiert die Weltwoche. Für Wladimir Putin bedeutet das: Schrumpfende Einnahmen, wachsende Abhängigkeit und eine zunehmend unberechenbare Lage an der wirtschaftlichen Heimatfront.
Wie die Commerzbank feststellt, dürfte die Kombination aus geringeren Öleinnahmen, reduzierten Devisenverkäufen der Zentralbank und niedrigeren Investitionen des staatlichen Wohlstandsfonds 2026 zu einem schwächeren Rubelkurs führen.
Credits: APA
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