Völlig überraschend hat Russlands Präsident Wladimir Putin den Verkehrsminister Roman Starowoit aus dem Amt entlassen. Das entsprechende Dekret wurde am Montag veröffentlicht. Eine offizielle Begründung blieb – wie so oft im Kreml – aus. Nur wenige Stunden nach seiner Entlassung wurde der Ex-Minister tot aufgefunden.
Der 48-jährige Roman Starowoit hatte das Verkehrsministerium erst im Mai 2024 übernommen. Zuvor war er knapp fünf Jahre lang Gouverneur der Kursker Grenzregion, die seit Beginn des Ukraine-Krieges regelmäßig Ziel ukrainischer Drohnen- und Raketenangriffe ist. Nur wenige Monate nach seinem Abgang aus dem Gouverneursamt kam es in seiner ehemaligen Region zum schwersten ukrainischen Bodenvorstoß auf russisches Territorium seit Kriegsbeginn im Februar 2022 – ein Vorfall, der möglicherweise intern als Sicherheitsversagen gewertet wurde.
Andrej Kartapolow, der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, erklärte gegenüber Journalisten, der ehemalige Minister habe Suizid begangen. Beamte der Strafverfolgungsbehörden erklärten demnach, am Tatort sei eine Schusswaffe gefunden worden, die Starowoit 2023 als Anerkennung vom russischen Innenministerium erhalten hatte. Es seien Ermittlungen im Gange, die die Umstände des Todes aufklären sollen. Die Umstände des Vorfalls werden derzeit ermittelt. Die Hauptversion ist Selbstmord“, sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde, Swetlana Petrenko.
Neuer Minister mit Verwaltungserfahrung
Zum kommissarischen Nachfolger wurde zunächst Andrej Nikitin ernannt – bislang stellvertretender Verkehrsminister und zuvor Gouverneur der Region Nowgorod. Nikitin gilt als technokratischer Verwaltungsprofi, der in Regierungsnähe gut vernetzt ist.
Putins Kabinettsumbau geht weiter
Starowoits Entlassung reiht sich ein in eine Serie hochrangiger Personalwechsel, mit denen Präsident Putin seit seiner Wiederwahl im Frühjahr offenbar seine Machtbasis neu sortiert. Beobachter sprechen von einem schrittweisen Umbau der Regierung, bei dem loyale, aber zunehmend als ineffizient geltende Funktionäre durch jüngere, pragmatischere Akteure ersetzt werden.
Russlands Verkehrssektor steht wegen internationaler Sanktionen, verschärfter Sicherheitslage und maroder Infrastruktur unter massivem Druck. Besonders der Zustand des Schienennetzes, der militärischen Logistikrouten sowie die Versorgung entlegener Regionen gelten als problematisch.
Dass der Kreml keine Erklärung für den Ministerwechsel liefert, ist üblich – aber nicht unbedeutend. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass hinter der Entscheidung politische oder sicherheitsrelevante Gründe stehen, die offiziell nicht benannt werden sollen.
Update: 17.30 Uhr
Credit: APA
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