Fast fünf Jahre nach Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine ordnet Kremlchef Wladimir Putin die Führungsspitze seiner Streitkräfte neu. Im Zentrum der Reform steht vor allem ein wunder Punkt: die angeschlagene Versorgungslogistik im russischen Hinterland.
Ein neuer Chef für die „rückwärtigen Dienste“
Bei einem Treffen mit der russischen Militärführung verkündete Putin eine gebündelte Struktur für sämtliche Logistiktruppen und Unterstützungseinheiten. Zum neuen Chef dieser sogenannten rückwärtigen Dienste ernannte er Waleri Solodschuk. Künftig sollten alle diese Dienste im Hinterland „in einer Hand“ liegen, sagte Putin laut Kremlangaben, wie oe24 berichtet. Unter den aktuellen Bedingungen sei das eine „Kampfaufgabe“. Insgesamt handle es sich um eine „Vervollkommnung der Strukturen des Verteidigungsministeriums“, so der russische Präsident, der seine Streitkräfte ausgehend von den bisherigen Kriegserfahrungen und den Erfordernissen an der Front neu strukturiere.
Ukrainische Drohnenangriffe setzen Russland zu
Der Grund für die Reform liegt auf der Hand: Moskaus Truppen machen vor allem ukrainische Drohnenangriffe auf Ölraffinerien und Logistikzentren im russischen Hinterland erheblich zu schaffen, wodurch der Nachschub für die Front zunehmend erschwert wird. Besonders zugespitzt hat sich die Lage auf der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim, wie oe24 berichtet.
Wechsel an der Donbass-Front
Solodschuk, der künftig für die Behebung der Probleme im Hinterland zuständig ist, führte bisher die Armee-Gruppe „Zentrum“, die nach Putins Darstellung bei der Invasion im Gebiet Donezk eine führende Rolle einnimmt. Sein Nachfolger wird laut übereinstimmenden Berichten von „The Moscow Times“ und oe24 der bisherige Generaloberst Andrej Iwanajew, der die Region komplett unter russische Kontrolle bringen soll.
Die ebenfalls im Donbass eingesetzte Gruppierung „Wostok“ (Osten) übernimmt künftig Generalleutnant Pjotr Bolgarjew. Putin lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich das Vorgehen der „Wostok“-Truppen, die „mit solchem Tempo“ agierten, „dass dies nur die höchste Wertschätzung hervorruft“.
Neuer Chef für Russlands Drohnenstreitkräfte
Eine weitere personelle Weichenstellung betrifft die vergleichsweise neue Waffengattung der russischen Drohnenstreitkräfte, auch „Unmanned Systems Forces“ genannt: Das Kommando dafür übertrug Putin bei der Sitzung an Generaloberst Denis Ljamin, wie „The Moscow Times“ bestätigt.
Wachsende Truppenstärke
Die aktuelle Umstrukturierung fällt in eine Phase, in der Russland auch seine Truppenstärke weiter ausbaut. Erst kürzlich hatte Putin die Sollstärke der russischen Streitkräfte um 25.000 auf insgesamt 2,426 Millionen erhöht, davon 1,535 Millionen reguläre Soldaten.
Ein Krieg ohne erreichte Ziele
Putin führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine inzwischen im fünften Jahr, ohne die ursprünglich formulierten Kriegsziele erreicht zu haben. Die aktuelle Reorganisation der Kommandostrukturen dürfte auch als Reaktion auf die anhaltenden logistischen und operativen Herausforderungen zu verstehen sein, mit denen sich Russlands Streitkräfte an mehreren Frontabschnitten weiterhin konfrontiert sehen.
Credits: Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163
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