Ein brutaler Übergriff auf einen Taxifahrer am Rande eines Burschenschafter-Fests in der Steiermark hat vor zwei Wochen für bundesweites Entsetzen gesorgt. Nun liegen laut derStandard.at erste konkrete Ermittlungsergebnisse vor: Bei den Verdächtigen soll es sich um führende Kader der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreichs (IBÖ) handeln – einer von ihnen war bis vor kurzem parlamentarischer Mitarbeiter eines FPÖ-Abgeordneten.
Nazi-Parolen im Taxi, dann Gewalt
Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf Samstag, den 20. Juni, als ein Taxifahrer zu einer Feier der Burschenschaft „Leder“ in einer Betriebshalle in Leoben gerufen wurde. Wie derStandard.at schildert, weigerte sich der Lenker, drei Burschenschafter zu chauffieren, nachdem diese im Wagen Nazi-Parolen von sich gegeben haben sollen – darunter auch ein „Heil Hitler“-Ruf. Der Taxifahrer alarmierte daraufhin die Polizei. Als die Männer zu flüchten versuchten, versuchte der Taxler dies zu verhindern, damit die anrückende Polizei die Beteiligten identifizieren könnte.
In der Folge kam es laut derStandard.at zur Eskalation: Ein Angreifer würgte den Taxifahrer und brachte ihn zu Boden, wo mehrfach auf ihn eingetreten wurde. Der Mann erlitt dabei Schürfwunden, Hämatome, zwei Beulen am Kopf sowie Prellungen am gesamten Körper.
Zwei Hauptverdächtige identifiziert
Nach APA-Angaben, über die derStandard.at berichtet, handelt es sich bei den nun identifizierten Verdächtigen um zwei Männer aus dem Umfeld der Identitären Bewegung. Einer soll ein junger Deutscher sein, der in sozialen Medien zuletzt als neues Gesicht der Wiener Identitären in Erscheinung getreten war und seine Online-Profile nach dem Vorfall gelöscht habe. Der zweite Verdächtige gilt laut derStandard.at als langjähriger österreichischer Identitärer, der bis zuletzt als parlamentarischer Mitarbeiter eines FPÖ-Abgeordneten beschäftigt war. Er soll unter anderem an der Organisation umstrittener Boxkämpfe im sogenannten „Identitären Keller“ im fünften Wiener Gemeindebezirk beteiligt gewesen sein. Laut Zeugenangaben, die derStandard.at zitiert, soll dieser Mann dem Taxifahrer gewaltsam entgegengetreten sein, obwohl er ursprünglich gar nicht im Taxi gesessen hatte. Gegen ihn laufen zudem separate Ermittlungen wegen Verhetzung im Zusammenhang mit einem Instagram-Posting. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.
Die FPÖ erklärte gegenüber der APA, das Dienstverhältnis des betroffenen Mitarbeiters sei bereits vor Wochen beendet worden.
FPÖ steht wegen Identitären-Nähe seit Monaten unter Druck
Der Fall reiht sich in eine länger andauernde Debatte um die Beschäftigung ehemaliger und aktiver Identitärer als parlamentarische Mitarbeiter bei der FPÖ ein. Wie derStandard.at berichtet, hatten gemeinsame Recherchen von „Der Standard“ und dem ORF-Format „Report“ ergeben, dass zehn bis zwanzig parlamentarische Mitarbeiter der Partei in Beobachtungsunterlagen des Verfassungsschutzes aufscheinen. Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) hatte dies laut derStandard.at im „Kurier“ wiederholt bestritten. Der zuständige FPÖ-Abgeordnete Michael Oberlechner hatte die Anstellung des nun beschuldigten Ex-Identitären im Juli 2025 mit dessen Unbescholtenheit gerechtfertigt und politischen Aktivismus in jungen Jahren als generationsübergreifendes Phänomen bezeichnet, wie derStandard.at zitiert.
Behörden gehen auch gegen „Identitären Keller“ vor
Erst wenige Tage vor den neuen Ermittlungsergebnissen waren die Wiener Landespolizeidirektion und die städtische Gruppe Sofortmaßnahmen laut derStandard.at gegen den „Identitären Keller“ im fünften Bezirk vorgegangen. Bei einer Kontrolle wurden demnach unter anderem Absperrgitter gefunden, die für die berüchtigten Boxkämpfe in dem Lokal verwendet worden sein sollen; zudem wird geprüft, ob dort gefundene Sticker gegen das Symbolegesetz verstoßen. Bereits einige Wochen zuvor war es laut einer von derStandard.at zitierten Zeugin auch vor diesem Lokal zu einer Gewaltattacke gekommen, bei der Identitäre auf einen bereits am Boden liegenden Mann eingetreten haben sollen.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Der Fall verknüpft zwei Themenstränge, die zuletzt ohnehin für politischen Sprengstoff sorgten: die Gewaltbereitschaft der Identitären Bewegung und die seit Monaten anhaltende Kritik an der FPÖ wegen der Beschäftigung von Personen mit Verbindungen zu dieser rechtsextremen Szene im Parlament. Dass ausgerechnet ein Mitarbeiter, dessen Vorgeschichte laut Recherchen von derStandard.at und ORF-„Report“ bereits vor der Beschäftigung erkennbar gewesen sein soll, nun im Zentrum eines Gewaltverdachts steht, dürfte den Druck auf die Partei erhöhen, ihre Personalpraxis bei parlamentarischen Mitarbeitern transparenter zu gestalten. Bis zum rechtskräftigen Abschluss der Ermittlungen gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.
Credits: Phi – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=92081449
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