Die Diskussion rund um die steuerlich geförderte Babler-Doku „Wahlkampf“ reißt nicht ab. Nachdem die Fördersumme von über einer halben Million Euro öffentlich bekannt wurde, melden sich nun Kritiker zu Wort — und stellen eine grundsätzliche Frage: Wo endet Kulturförderung, und wo beginnt politische PR auf Kosten der Steuerzahler?
Was bisher bekannt ist
Zur Erinnerung: Die Dokumentation „Wahlkampf“ von Regisseur Harald Friedl begleitet SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler durch den Nationalratswahlkampf 2024. Wie exxpress.at berichtete, wurden allein über das Österreichische Filminstitut (ÖFI und ÖFI+) rund 350.000 Euro Bundesförderung genehmigt — dazu kamen 160.000 Euro Herstellungsförderung und 23.000 Euro für den Kinostart vom Filmfonds Wien sowie 20.000 Euro vom Land Niederösterreich. Die bislang bekannte Gesamtsumme beläuft sich damit auf rund 553.000 Euro aus öffentlichen Mitteln. Alle Förderentscheidungen fielen 2024 unter der damaligen schwarz-grünen Regierung und Kulturminister Werner Kogler (Grüne), wie die SPÖ auf ihrer Website klarstellt. Babler selbst hatte laut SPÖ weder Mitspracherecht bei der Finanzierung noch beim fertigen Film.
Schöllhammer: „Reine Propaganda“
In der exxpress-Sendung exxpress live lieferten nun der Politikwissenschaftler Ralph Schöllhammer und FPÖ-Politikerin Barbara Kolm ihre Einschätzungen. Schöllhammer bezeichnet den Film laut exxpress.at ohne Umschweife als „Propaganda — nichts anderes“ und sieht darin eine demokratiepolitisch problematische Entwicklung. Er wirft die Frage auf, ob staatliche Förderung für politisch klar zuordenbare Inhalte nicht einer Form legaler Korruption gleichkomme.
Kolm schließt sich dieser Einschätzung an: Eine mit rund 350.000 Euro geförderte Doku über den Wahlkampf eines Spitzenpolitikers gehe „zu weit“ und sei eine „fragwürdige Vorgangsweise“. Ihr Kernvorwurf lautet: Parteipolitik werde hier indirekt über Kulturförderung finanziert, anstatt aus Parteibudgets oder privaten Mitteln zu stammen. Das schaffe ein Ungleichgewicht im politischen Wettbewerb.
Die Gegenseite: Unabhängige Jurys, Kunstfreiheit, Regisseur ohne Parteiauftrag
Was die Kritiker ausblenden: Die Entscheidungen des ÖFI treffen eigenständige Jurys nach künstlerischen und wirtschaftlichen Kriterien — unabhängig von politischen Entscheidungsträgern. Regisseur Harald Friedl betonte bei der Filmpremiere an der Diagonale in Graz, dass der Final Cut allein bei ihm lag und Babler kein Mitspracherecht hatte. Der Film sei eine dokumentarische Langzeitbeobachtung, kein Auftragswerk der SPÖ.
Zudem ist öffentliche Filmförderung in Österreich ein etabliertes Instrument — das ÖFI schüttet jährlich rund 36,5 Millionen Euro an Projekte aus. Dass dabei auch politisch sensitive Themen gefördert werden, ist kein Novum. Ob das in diesem spezifischen Fall angemessen war, darüber lässt sich trefflich streiten — und genau das passiert gerade.
Eine berechtigte Frage — aber keine einfache Antwort
Die Debatte um den Babler-Film berührt eine grundlegende Spannung im Kulturförderungssystem: Wie unabhängig sind Fördergremien wirklich? Und ab wann verwandelt sich ein dokumentarischer Film über einen Politiker in politische Werbung? Fest steht: Der Film startet am 24. April 2026 in den Kinos — und wird dort zeigen, was er tatsächlich ist.
Quellen:
- exxpress.at: Schöllhammer bewertet Babler-Film als „Propaganda – nichts anderes“
- exxpress.at: Paukenschlag! Babler-Film kostete Steuerzahler noch mehr
- exxpress.at: SPÖ-Skandal enthüllt: Babler-Doku aus Steuermitteln finanziert
- spoe.at: Doku „Wahlkampf“: Filmförderung unter Vorgängerregierung genehmigt
- filmfonds-wien.at: Filmseite „Wahlkampf“
- nachrichten.at: Kinofilm „Wahlkampf“ über Babler: Steyrer Regisseur kontert FPÖ-Kritik
Credits: APA
Neueste Kommentare