Albaniens Premierminister Edi Rama könnte am 26. November mit mehreren Ministern nach Österreich reisen. Anlass könnte eine Feier für den ehemaligen SPÖ-Bürgermeister Bernhard Müller sein, der zum albanischen Honorarkonsul ernannt wurde. Der Zeitpunkt ist brisant: Botschafter Fate Velaj steht wegen zahlreicher Vorwürfe unter Druck, Korruptionsverfahren beschäftigen Ramas Regierung und auch österreichische Spitzenpolitiker könnten in den Fokus geraten.
Nach Informationen von exxtra24 plant Albaniens Ministerpräsident Edi Rama einen zeitnahen Österreich-Besuch. Begleitet werden könnte er von mehreren Regierungsmitgliedern. Eine offizielle Bestätigung liegt bislang nicht vor.
Die mögliche Reise fällt in eine politisch angespannte Phase. Während Ramas Regierung in Albanien mit Korruptionsverfahren und Protesten konfrontiert ist, wächst auch die Kritik an seinem langjährigen Vertrauten und Botschafter in Wien, Fate Velaj.
Fate Velaj: 237 Fragen und schwere Vorwürfe
Velaj steht im Mittelpunkt umfangreicher Informationsfreiheitsanfragen. Allein an die Universität für angewandte Kunst Wien wurden 149 Fragen zu seiner akademischen Laufbahn, Zulassungsvoraussetzungen und Prüfungsverfahren gerichtet. Weitere 88 Fragen an das Außenministerium betreffen seine diplomatische Bestellung, Akkreditierung und die Kommunikation zwischen Wien und Tirana.
Hinzu kommen Plagiatsvorwürfe, mit denen sich der bekannte Plagiatsgutachter Dr. Stefan Weber beschäftigt hat.
Besonders schwer wiegen bislang nicht unabhängig bestätigte Anschuldigungen, wonach Velajs Schwägerin durch die albanische Botschaft vor behördlichem Zugriff geschützt worden sein soll. Ob dies tatsächlich geschah, ist Gegenstand weiterer Recherchen.
Für Rama stellt sich damit eine politische Frage: Wie lange will er an seinem umstrittenen Vertrauten festhalten?
Brisanter 26. November: Rama bei SPÖ-Ex-Bürgermeister Müller?
Ein möglicher Besuchstermin könnte der 26. November 2026 sein. An diesem Tag soll der ehemalige SPÖ-Bürgermeister von Wiener Neustadt, Bernhard Müller, ab 18 Uhr im Zentralkinocenter, Lange Gasse 26, seine Ernennung zum albanischen Honorarkonsul feiern.
Ob Rama oder Regierungsmitglieder teilnehmen, ist nicht bestätigt. Auch ein direkter Zusammenhang zwischen der Feier und der geplanten Reise ist bislang nicht belegt.
Nach Informationen von exxtra24 gibt es innerhalb der albanischen Diaspora bereits Überlegungen, vor dem Veranstaltungsort zu demonstrieren. Eine verbindliche Demonstrationsankündigung liegt nicht vor.
Müller: Doktortitel aus Polen und umstrittene akademische Einrichtungen
Auch Bernhard Müller steht wegen seiner akademischen Laufbahn in der Kritik. Sein Doktortitel stammt vom polnischen Collegium Humanum, das im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Unregelmäßigkeiten bei akademischen Abschlüssen in die Schlagzeilen geriet.
Plagiatsgutachter Dr. Stefan Weber beschäftigte sich mit Müllers Dissertation. Müller ließ die Vorwürfe über seinen Rechtsanwalt zurückweisen und erklärte, sein Doktoratsstudium ordnungsgemäß absolviert, eine Dissertation verfasst und verteidigt zu haben. exxtra24 liegt nach eigenen Angaben die Dissertation vor, die über das Studienzentrum Hohe Warte nicht mehr öffentlich abrufbar ist.
Auch das Wiener Studienzentrum Hohe Warte (SHW) steht im Zusammenhang mit einer breiteren Diskussion über akademische Titel. Auf seiner Website werden ein Doctor of Business Administration (DBA) um rund 19.200 Euro und ein PhD-Programm um rund 24.000 Euro beworben. Dass Studiengebühren verlangt werden, beweist allerdings keinen unrechtmäßigen Titelkauf.
Der Standard berichtete über die sogenannte Titelindustrie, auch der Falter beschäftigte sich mit der Vermittlung akademischer Abschlüsse und der Sales Manager Akademie. Ein rechtskräftiger Nachweis, dass Müller seinen Titel unrechtmäßig erworben hätte, liegt nicht vor.
Bundeskanzler Stocker: Müllers alter politischer Gegenspieler
Zusätzliche Brisanz erhält die Veranstaltung durch die politische Vergangenheit Wiener Neustadts.
Der heutige Bundeskanzler Christian Stocker war während Müllers Amtszeit Vizebürgermeister und ÖVP-Stadtparteiobmann. Beide lieferten sich jahrelang politische Auseinandersetzungen, insbesondere über die Finanzpolitik der Stadt.
2015 verlor die SPÖ das Bürgermeisteramt an die ÖVP unter Klaus Schneeberger. Sollte Rama zur Feier nach Österreich kommen, wäre auch interessant, ob Gespräche mit Bundeskanzler Stocker vorgesehen sind. Dafür gibt es bislang keine Bestätigung.
Meinl-Reisinger und Schieder: Alte Fragen, neue Verbindungen
Ein mögliches Treffen mit Außenministerin Beate Meinl-Reisinger hätte ebenfalls politische Bedeutung. Bereits im Mai 2024 stellten NEOS-Abgeordnete eine parlamentarische Anfrage 18722/J zur Bestellung Velajs an den damaligen Außenminister Alexander Schallenberg.
Heute führt ausgerechnet eine NEOS-Politikerin das Außenministerium, das erneut mit zahlreichen Fragen zur Person Velaj konfrontiert ist.
Auch SPÖ-Europaabgeordneter Andreas Schieder könnte in den Fokus geraten. Er unterstützt die europäische Integration Albaniens und erhielt ein Ehrendoktorat der Universität Vlora. Nach Informationen von exxtra24 waren Rama und Velaj in die Vorgänge rund um diese Ehrung eingebunden. Ihre konkrete Rolle ist noch zu klären.
Die Auszeichnung allein beweist keine politische Einflussnahme. Dennoch stellt sich angesichts der Korruptionsverfahren die Frage, wie konsequent europäische Unterstützer Albaniens rechtsstaatliche Standards einfordern.
Korruptionsverfahren: Ramas Regierung unter Druck
Auch in Albanien selbst steht die Regierung unter erheblichem Druck. Die Sonderstaatsanwaltschaft SPAK ermittelt in mehreren Korruptionskomplexen gegen Personen aus dem Regierungsumfeld.
Besonders prominent ist die Affäre um die frühere Vizepremierministerin Belinda Balluku, der Unregelmäßigkeiten bei öffentlichen Auftragsvergaben vorgeworfen werden. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Gleichzeitig sorgen wiederkehrende Demonstrationen in Tirana für innenpolitische Spannungen. Während Rama international für Albaniens raschen EU-Beitritt wirbt, bestimmen im eigenen Land Korruptionsvorwürfe und Fragen zur Rechtsstaatlichkeit die Debatte.
Diaspora erwartet Antworten – kommt ein neuer Botschafter?
Auch Teile der albanischen Gemeinschaft in Österreich äußern Kritik an Fate Velaj. Im Raum steht die Frage, ob der Botschafter angesichts der Kontroversen noch das notwendige Vertrauen besitzt.
Ein Besuch Ramas könnte deshalb Spekulationen über eine mögliche Neubesetzung der Botschaft auslösen. Hinweise auf eine bereits beschlossene Abberufung gibt es allerdings nicht.
Kritischer Dokumentarfilm über Rama in Vorbereitung
Zusätzliche Aufmerksamkeit könnte eine internationale Filmproduktion bringen. Nach Informationen von exxtra24 arbeitet Produzent Frederik Füssel an einer kritischen Dokumentation über die Regierung Rama und deren politisches Umfeld.
Ob auch Fate Velaj darin vorkommt, ist offen. Eine Präsentation auf einem Filmfestival ist geplant; Ort und Termin sind noch nicht bestätigt.
Rama, Velaj und Babler: Drei politische Zukunftsfragen
Die Entwicklungen reichen bis in die österreichische Innenpolitik. SPÖ-Politiker Andreas Babler wird von Kritikern mit der politischen Unterstützung für Fate Velaj in Verbindung gebracht. Art und Umfang dieser Unterstützung bedürfen einer konkreten Überprüfung.
Für Rama geht es um Korruptionsvorwürfe in seinem Regierungsumfeld, für Velaj um seine diplomatische und akademische Laufbahn und für Babler um seine politische Zukunft innerhalb der krisengeprägten SPÖ. Ob daraus personelle Konsequenzen entstehen, bleibt offen.
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