Der tiefe Fall des René Benko bekommt eine neue Wendung. Der Signa-Gründer, der seit Jänner 2025 in Untersuchungshaft sitzt, darf diese künftig im elektronisch überwachten Hausarrest verbringen. Das Landesgericht Innsbruck hat am Mittwoch einem Antrag seiner Verteidigung zugestimmt – gegen den Willen der Korruptionsstaatsanwaltschaft.
Entscheidung hinter verschlossenen Türen
Die Haftprüfungsverhandlung fand nicht öffentlich statt, erstmals in Benkos Heimatstadt Innsbruck statt wie bisher in Wien. Benko war selbst anwesend. Bestätigt hat die Entscheidung im Anschluss sein Verteidiger Norbert Wess, wie die “Tiroler Tageszeitung” und die APA berichten, laut dpa auch eine Gerichtssprecherin. Ganz sofort geht es aber nicht: Am Mittwoch konnte Benko die Justizanstalt noch nicht verlassen, Wess rechnet jedoch damit, dass sein Mandant noch diese Woche in den Hausarrest wechselt. Bis dahin hatte der 49-Jährige laut “Tiroler Tageszeitung” 628 Tage in Haft verbracht.
60 Quadratmeter statt Villa
Den Hausarrest wird Benko nicht in seiner Villa verbringen. Für die Fußfessel wurde in Innsbruck eigens eine rund 60 Quadratmeter große Wohnung angemietet, laut Wess auch, um das familiäre Umfeld zu schützen. Begründet hatte der Anwalt den Antrag mit der Vorbereitung auf die anstehenden Prozesse, wie Reuters berichtet: Nur außerhalb der Justizanstalt könne sich Benko angemessen auf die komplexen Verfahren vorbereiten. Wess berief sich dabei auf das in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Recht auf ein faires Verfahren.
WKStA war dagegen
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), die gegen Benko ermittelt, sprach sich gegen die Fußfessel aus. Laut oe24 soll sie eine sechsseitige Stellungnahme gegen den Antrag eingebracht haben. Ob sie gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegt, war zunächst nicht bekannt.
Rechtskräftig verurteilt – und der nächste Prozess wartet
Erst Ende September war Benko nach einer Neuauflage des Verfahrens am Landesgericht Innsbruck wegen betrügerischer Krida rechtskräftig zu 30 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden. Abgeschlossen ist die Causa damit noch lange nicht: Am 4. und 5. November muss sich Benko in Innsbruck in einem weiteren Prozess wegen Krida und Betrugs verantworten. Laut “news.at” geht die WKStA zudem neuen Vorwürfen nach, unter anderem dem Verdacht der Urkundenfälschung. Für Benko gilt in allen offenen Verfahren die Unschuldsvermutung.
Vom Milliardär zum Häftling
Benko hatte mit der Signa-Gruppe ein Immobilien- und Handelsimperium aufgebaut, zu dem Warenhausketten wie Galeria in Deutschland und Luxusimmobilien in Wien, Berlin und Hamburg gehörten. Ende 2023 schlitterte die Signa Holding in die Insolvenz, es folgte eine der größten Firmenpleiten der österreichischen Geschichte. Im März 2024 meldete Benko Privatkonkurs an, im Jänner 2025 wurde er verhaftet.
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