Postenschacher-Affäre: Verurteilte Finanzbeamte saßen in zwölf weiteren Kommissionen

Postenschacher-Affäre: Verurteilte Finanzbeamte saßen in zwölf weiteren Kommissionen

Der Wöginger-Prozess hat ein erstinstanzliches Urteil gebracht – aber er hat auch eine deutlich größere Frage aufgeworfen: Wie weit reicht das Netzwerk?

Der Prozess: Wöginger, zwei Beamte, ein Bürgermeister

Wie nachrichten.at und tips.at unter Berufung auf das Landesgericht Linz berichteten, wurden am 4. Mai 2026 der damalige ÖVP-Klubobmann August Wöginger sowie die beiden Finanzbeamten Siegfried Manhal und Herbert B. wegen Amtsmissbrauchs schuldig gesprochen. Die Strafe: jeweils sieben Monate bedingte Haft sowie unbedingte Geldstrafen. Der Vorwurf: Die beiden Beamten sollen als Mitglieder einer Begutachtungskommission einem ÖVP-Bürgermeister aus parteipolitischen Motiven den Vorstandsposten im Finanzamt Braunau zugeschanzt haben – Wöginger wurde als Bestimmungstäter verurteilt. Wie salzburg24.at berichtete, haben alle drei Verurteilten sowie die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung angemeldet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Zwölf Kommissionen: Die eigentliche Brisanz

Was nun ans Licht kommt, reicht weit über den Einzelfall Braunau hinaus. Wie oe24 unter Berufung auf eine parlamentarische Anfragebeantwortung berichtete, haben die Grünen in Folge des Prozesses unter dem Titel „Verdacht eines systematischen ÖVP-Postenschachers“ alle Postenbesetzungen der letzten fünf Jahre im Finanzministerium abgefragt. Das Ergebnis ist brisant: Die beiden im Wöginger-Prozess verurteilten Beamten waren bei mindestens zwölf weiteren Postenbesetzungen in Leitungsfunktionen im Finanzministerium tätig – teilweise sogar gemeinsam.

Grüne: „Anlass, noch einmal genau hinzuschauen“

Wie oe24 berichtete, reagierte die grüne Vizeklubobfrau Sigrid Maurer mit deutlichen Worten. Die meisten Ministerien hätten auf die Anfrage nur teilweise geantwortet, sich auf frühere Anfragen berufen und nur unvollständige Zahlen geliefert. Trotzdem sei ein klares Muster erkennbar: „Dass die beiden Mitverurteilten von August Wöginger gemeinsam in mehreren weiteren Kommissionen saßen, die für die Besetzung von Leitungsfunktionen in Finanzämtern in Oberösterreich zuständig waren, gibt zumindest Anlass, hier noch einmal besonders genau hinzuschauen.“ Maurer kündigte weitere parlamentarische Schritte an.

Wöginger trat zurück – Prozess geht weiter

Wöginger hatte unmittelbar nach dem erstinstanzlichen Urteil seinen Rücktritt als ÖVP-Klubobmann erklärt, bleibt aber laut nachrichten.at Nationalratsabgeordneter. Wie news.at berichtete, will die WKStA in der nächsten Instanz höhere Strafen für alle drei Verurteilten. Der Fall landet nun beim Obersten Gerichtshof.

Credits: APA

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