Ein friedlicher Feiertag der queeren Community wurde am Samstagabend zum Schauplatz eines Gewaltverbrechens: Am Rande des Christopher Street Day in Berlin raste ein Auto in eine Menschenmenge. Eine Frau starb, mindestens 16 weitere Menschen wurden verletzt. Die Ermittler gehen von einem gezielten Anschlag aus.
Der Ablauf der Tat
Der Vorfall ereignete sich laut Polizeiangaben gegen 22 Uhr im Bereich des Großen Tiergartens nahe dem Potsdamer Platz. Ein weißer Kastenwagen fuhr über die Straße Ahornsteig mehrere Menschen an, bevor er gegen einen Baum prallte, wie news.zdfheute.de aus dem Polizeieinsatz vor Ort berichtet. Eine Frau wurde dabei so schwer verletzt, dass sie noch am Tatort starb, bestätigte Polizeisprecher Florian Nath gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, wie oe24.at berichtet. Nach früheren Angaben der Berliner Feuerwehr erlitten von den mindestens 16 Verletzten drei lebensbedrohliche und acht schwere Verletzungen, fünf Menschen wurden leicht verletzt. Zusätzlich betreuten Einsatzkräfte rund 30 Menschen psychologisch, die unter dem Eindruck des Geschehens standen.
Der Fahrer soll das Fahrzeug nach der Kollision verlassen und geflüchtet sein – nach ersten Augenzeugenberichten offenbar bewaffnet mit einem spitzen Gegenstand, wie mehrere Medien unter Berufung auf erste Ermittlungsergebnisse übereinstimmend berichten. Die Feuerwehr und Ordnerkräfte brachen das Fest daraufhin ab, der Bereich rund um das Brandenburger Tor wurde weiträumig abgesperrt.
Fahndung nach einem polizeibekannten Verdächtigen
Die Polizei identifizierte in der Nacht auf Sonntag einen mutmaßlichen Tatverdächtigen: einen 21-jährigen Mann, dessen Nachname aus Datenschutzgründen bislang nur mit dem Anfangsbuchstaben B. angegeben wird. „Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet“, zitiert oe24.at Polizeisprecher Nath. Der Verdächtige habe demnach erst im Mai 2026 einen Jugendarrest verlassen und Familie in Berlin. Über soziale Medien warnte die Polizei ausdrücklich davor, den Gesuchten selbst anzusprechen: Er sei möglicherweise bewaffnet und gefährlich, im Ernstfall solle sofort der Notruf 110 gewählt werden.
In den Stunden nach der Tat gab es mehrere Polizeieinsätze im Zusammenhang mit dem Fall, darunter eine Wohnungsdurchsuchung gegen 1.10 Uhr im Stadtteil Schöneberg. Da dort niemand angetroffen wurde, kam es zu keiner Festnahme, so Nath gegenüber der dpa.
Ermittlungen wegen Verdachts auf Anschlag
Die Hintergründe der Tat waren bis Sonntagfrüh weiterhin unklar. Die Polizei spricht bislang vom Verdacht eines Anschlags; die weiteren Ermittlungen führen die Generalstaatsanwaltschaft Berlin und das Landeskriminalamt. Ob der identifizierte Verdächtige tatsächlich selbst am Steuer saß und wem der sichergestellte, stark demolierte Kastenwagen gehört, ist nach Angaben der Polizei ebenfalls noch offen – laut Polizeisprecher Nath handelt es sich um ein Privatfahrzeug, nicht um einen Mietwagen. Eine gerichtsfeste Klärung des Motivs und der genauen Tatumstände steht damit zum jetzigen Zeitpunkt noch aus.
Reaktionen und Konsequenzen
Der CSD-Berlin brach sein Fest nach dem Vorfall umgehend ab. Nach Angaben eines Reporters vor Ort wurden viele Besucherinnen und Besucher zunächst nicht offiziell über die Lage informiert und verfolgten das Geschehen stattdessen über ihre Handys. Die Stadt reagierte mit einem sichtbar verstärkten Polizeiaufgebot: Schwer bewaffnete Kräfte waren in der Nacht und am Sonntagmorgen weiterhin in mehreren Bezirken im Einsatz.
Credits: Bundespolizei
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