Am 24. März 2026 präsentierte Ex-Politiker und Enthüllungsjournalist Peter Pilz in der Kulisse Wien sein zweites Buch zur Causa Pilnacek: „Spuren im Schlamm“, die Fortsetzung seines Bestsellers „Der Tod des Sektionschefs“ aus dem Jahr 2025. Wie zackzack.at berichtet, liefert der Band neue Zeugen, neue Dokumente und neue Beweise rund um den Tod von Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek, der im Oktober 2023 tot in einem Seitenarm der Donau in der Wachau gefunden wurde. Pilz wirft darin Polizei und Staatsanwaltschaft gravierende Mängel vor. Moderiert wurde der Abend von Journalist Michael Nikbakhsh.
Der besondere Gast im Publikum
Was die Veranstaltung über das literarisch-politische hinaus pikant macht: Wie exxpress.at berichtet, saß im Publikum Robert Wiesner – der Ehemann von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ). Kein Zufallsgast, sondern ein langjähriger Weggefährte von Pilz. Beide kennen sich seit den 1970er-Jahren aus gemeinsamer Studentenpolitik im VSStÖ (Verband Sozialistischer Studenten in Österreich) an der Universität Wien. Sie wurden sogar gemeinsam aus dieser Organisation ausgeschlossen – ein verbindendes Erlebnis, das typischerweise besonders langlebige Bindungen schafft. Wiesner machte später Karriere im Journalismus und leitete das ORF-Politmagazin „Report“. Heute ist er als Ehemann der amtierenden Justizministerin an der Spitze des österreichischen Justizsystems zu verorten.
Pilz greift genau die Institutionen an, für die Sporrer zuständig ist
Dass Wiesner gerade bei dieser Veranstaltung im Publikum sitzt, ist deshalb heikel, weil Pilz in seinem Buch und bei der Präsentation nicht nur Polizeiarbeit kritisiert, sondern auch staatsanwaltschaftliche Stellen – insbesondere die Oberstaatsanwaltschaft Wien. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, kritisierte Pilz bei der Buchpräsentation auch, wie die Justiz gegen ihn selbst ermittelt. Der Fall hat bereits juristisch Wellen geschlagen: Wie profil.at dokumentiert, wurde der Verlag Zack Media wegen des ersten Pilnacek-Buches nicht rechtskräftig wegen übler Nachrede verurteilt und muss an vier Polizisten insgesamt 57.000 Euro Entschädigung zahlen. Pilz‘ erstes Buch war im Dezember 2025 gerichtlich verboten worden.
Eine Frage der Netzwerke
Die Konstellation wirft Fragen auf, die über den Abend in der Kulisse hinausgehen: Ein Kritiker zentraler Justizinstitutionen und ein langjähriger Freund desselben – verbunden seit Jahrzehnten durch gemeinsame Studentenpolitik, gemeinsames intellektuelles Milieu und offenkundig anhaltende persönliche Nähe. Heute steht der eine als Ehemann an der Spitze jener Institutionen, die der andere öffentlich unter Beschuss nimmt. Ob das rein privater Charakter hat oder netzwerkpolitische Relevanz, bleibt eine offene Frage – eine, die in einer Demokratie zumindest gestellt werden darf.
Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.
Quellen:
- exxpress.at: Pilz attackiert Justiz – Sporrers Ehemann sitzt im Publikum, 27. März 2026
- zackzack.at (Peter Pilz): Einladung zur Buchpräsentation „Pilnacek – Spuren im Schlamm“, 7. März 2026
- profil.at: Causa Pilnacek – Strafanzeige gegen Peter Pilz wegen Beleidigung, Jänner 2026
- Tiroler Tageszeitung (tt.com): „Toxisches Handy“ – welche Spuren Peter Pilz in der Causa Pilnacek legt, März 2026
- Amazon.de: Pilnacek Band 2 – Spuren im Schlamm, Erscheinungsdatum 25. März 2026
Credits: APA
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