Es war eine der letzten großen Bühnen für einen scheidenden Landesfürsten: Peter Kaiser, 67, seit 13 Jahren Landeshauptmann von Kärnten, gab am Mittwochabend in der ZiB2 bei Armin Wolf sein Abschiedsinterview. Persönlich, kritisch — und mit einem deutlichen Satz zur Koalitionsfrage auf Bundesebene.
Das Ende einer 13-jährigen Ära
Wie nachrichten.at berichtet, legt Peter Kaiser am 31. März 2026 nach 13 Jahren sein Amt als Kärntner Landeshauptmann zurück. Sein Nachfolger wird Daniel Fellner (SPÖ), der bereits im November 2025 die Landesparteispitze übernahm. Laut klick-kaernten.at wählt der Kärntner Landtag Fellner am 7. April, die Angelobung durch den Bundespräsidenten ist für den 8. April vorgesehen. Die Koalition mit der ÖVP unter Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber wird fortgesetzt.
Kaiser selbst verwies in der ZiB2, wie oe24.at berichtet, auf 4.751 Amtstage, auf das verbesserte politische Klima nach der FPÖ-Ära und auf das Kärntner Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz als Herzstück seiner Amtszeit. Kärnten sei unter freiheitlicher Führung einst eine „Regio non grata“ gewesen — das habe sich geändert.
Der größte Fehler: Die Gummiband-Aussage
Auch unangenehme Momente sparte Kaiser nicht aus. Seinen größten persönlichen Fehler sieht er in einem Ausrutscher aus der Corona-Zeit: Er hatte vorgeschlagen, Ungeimpfte sollten mit „Gummibändern herumrennen“, um sichtbar zu machen, wer nicht geimpft ist. Wie oe24.at berichtet, tut ihm dieser Satz bis heute leid.
Postenschacher: Kaiser räumt ein, hält aber dagegen
Schon länger begleiten den Landeshauptmann Vorwürfe des Postenschachers. Konkrete Fälle: Ein SPÖ-Parteipressesprecher übernahm die Leitung des Landespressediensts, Kaisers Büroleiter stieg zum Vorstand der Landeskrankenanstalten auf, sein letzter Büroleiter wird mit Mai Bezirkshauptmann — all das dokumentiert oe24.at. Kaiser räumte die Kritik nicht weg, stellte jedoch den Wert der Menschen in den Vordergrund.
Zur Bundespartei: Verteidigung und eine Spitze
Das anhaltende Umfragetief der SPÖ auf Bundesebene nahm Kaiser in Schutz. Es sei schwierig, wie er laut oe24.at erklärte, wenn man „viele Lasten der Vorgängerregierung“ übernehme und sich dennoch gut abgeben müsse. Die FPÖ habe es sich seiner Meinung nach leichter gemacht und „die Verantwortung überhaupt nicht übernommen.“ Er zeige sich aber zuversichtlich, dass sich die Umfragewerte bald verbessern.
Auch Finanzminister Markus Marterbauer bekam einen leichten Seitenhieb: Beim letzten Landeshauptleute-Treffen sei dieser früher abgereist — obwohl die Landeshauptleute damals bis zwei, drei Uhr nachts gearbeitet hätten, so Kaiser.
FPÖ als Koalitionspartner? „Ich hoffe nicht“
Die vielleicht meistbeachtete Aussage des Abends fiel zur Frage, ob er sich eine Bundesregierung mit der FPÖ vorstellen könne. In Kärnten habe er die FPÖ nie grundsätzlich ausgeschlossen, anders als die Bundespartei. Auf Bundesebene sei das Entscheidung des höchsten Gremiums, und es gebe einen „Werte-Katalog“, den man anlege. Sein persönliches Statement: „Ich hoffe es nicht — aber in der Politik sollte man nichts ausschließen.“ In seiner eigenen Laufbahn habe er immer andere Entscheidungen getroffen.
Bundespräsident? „Nicht ausschließen“
Auch die Frage einer möglichen Kandidatur für das Bundespräsidentenamt — Politologe Peter Filzmaier hatte Kaiser zuletzt als möglichen Kandidaten ins Spiel gebracht — ließ Kaiser offen. Es sei nicht in seiner Lebensplanung inkludiert, aber man solle im Leben nichts ausschließen, wie oe24.at berichtet.
Quellen:
- oe24.at: Kaiser über Regierung mit FPÖ: „Ich hoffe nicht“
- ORF.at (news.orf.at): Peter Kaiser zu Gast (ZiB2, 25. März 2026)
- nachrichten.at: Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser hört Ende März auf
- bvz.at / APA: Peter Kaiser: „Oppositionsrolle wäre für die SPÖ leichter“
- klick-kaernten.at: Offizieller Zeitplan für Landeshauptmann-Wechsel
- Wikipedia: Peter Kaiser (Politiker, 1958)
Credits: APA
Neueste Kommentare