Soll uns Österreichern von der Kanzlerpartei ÖVP jetzt ganz langsam näher gebracht werden, dass wir noch länger und mehr arbeiten müssen, bevor wir in die Pension gehen dürfen? Nach der Industriellenvereinigung sprach sich nun auch die erste ÖVP-Parlamentarierin für eine Anhebung des Pensionsalters aus.
Die Debatte über eine mögliche Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters sorgt für Spannungen in der ÖVP. Während Klubobmann August Wöginger öffentlich betont, dass es in dieser Legislaturperiode keine Erhöhung geben werde, kommt aus den eigenen Reihen nun Widerspruch: Die ÖVP-Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler warnt eindringlich vor den Folgen dieser Haltung – und spricht von einer „verpassten Chance“.
In einem Interview mit der Presse kritisierte Kugler, dass man sich einer strukturellen Reform verweigere, obwohl der demografische Wandel längst dränge. „Man kann mit einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters nicht ewig warten“, so die Abgeordnete. Andere europäische Länder seien bereits aktiv geworden – Deutschland, die Niederlande und viele skandinavische Staaten hätten das Pensionsalter erhöht oder zumindest an die steigende Lebenserwartung angepasst.
„Teuer erkaufte Bequemlichkeit“
Die ÖVP, so Kugler, dürfe sich nicht ausschließlich auf kurzfristige Wahlkampfüberlegungen verlassen: „Es genügt nicht, nur an die nächste Wahl zu denken.“ Vielmehr brauche es Mut zu langfristigem Denken – auch im Sinne der kommenden Generationen. Die derzeitige Entscheidung, das Pensionsalter nicht anzutasten, bezeichnete sie als „teuer erkaufte Bequemlichkeit“.
Zwar begrüßte Gudrun Kugler die kürzlich beschlossene Teilpension und das Ziel, das faktische Antrittsalter näher an das gesetzliche heranzuführen. Doch das allein reiche nicht: „Dieser Schritt wird uns nicht davor bewahren, das gesetzliche Pensionsantrittsalter früher oder später anheben zu müssen.“ Die Einführung solcher Maßnahmen brauche viele Jahre Vorlaufzeit, um Planungssicherheit für Betroffene zu gewährleisten.
Wachsender Einfluss der Pensionisten
Kugler sieht darin auch eine demokratiepolitische Dimension. Der wachsende Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung verändere die politische Landschaft zusehends: „Das Phänomen, Politik in erster Linie für Pensionisten zu machen, wird weiter zunehmen.“ Dies führe zu einem Ungleichgewicht, das langfristig das Vertrauen in die Politik schwächen könne.
Credit: APA
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