Ein Gastronom aus Passau ist fassungslos: Seine Mitarbeiterin, seit mehr als sechs Jahren im Betrieb, wurde von der Polizei aus ihrer Wohnung abgeholt, kam in Abschiebehaft und wurde nach Sierra Leone ausgewiesen. Ihr Chef macht seinem Ärger öffentlich Luft.
Abgeholt, inhaftiert, abgeschoben — innerhalb weniger Tage
Christian Wolf, Inhaber des Passauer Traditionsrestaurants „Goldenes Schiff“, postete ein rund sechsminütiges Instagram-Video und ließ dabei an Deutlichkeit nichts vermissen: „Stammtisch? Stinksauer bin ich!“ Anlass ist die Abschiebung seiner Mitarbeiterin Ruqi, einer fast 60-jährigen Frau, die laut Wolf seit mehr als sechs Jahren Vollzeit im Betrieb arbeitete, einen unbefristeten Arbeitsvertrag hatte und regulär Steuern bezahlte.
Vergangenen Donnerstag wurde sie laut heute.at von der Polizei aus ihrer Wohnung abgeholt, in Abschiebehaft nach Hof in Bayern gebracht und tags darauf nach Sierra Leone abgeschoben. Wolf erklärte in dem Video: „Es ist eine absolute Frechheit, was da gerade passiert. Es ist so würdelos und so unverschämt.“
Chancen-Aufenthaltsrecht scheiterte an Dokumentenfrage
Dem Gastronomen zufolge hätte Ruqi die Voraussetzungen für das sogenannte Chancen-Aufenthaltsrecht erfüllt — jenes 2023 in Deutschland eingeführte Instrument, das gut integrierten Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus einen legalen Weg zur Bleibeperspektive bieten soll.
Das Problem lag laut Wolf bei der Identifizierung. Ruqis Reisepass war abgelaufen, und für die Ausstellung neuer Dokumente hätte sie persönlich nach Sierra Leone reisen müssen — was ihr offenkundig nicht möglich war. Ein von der Familie organisierter Proxy-Ausweis wurde von den deutschen Behörden nicht anerkannt. „Dass das nicht so einfach ist, daran denken die Bürokraten nicht“, so Wolf in dem Video, das heute.at berichtet.
Wirtschaftliche Warnung
Wolf beschränkte sich nicht auf Kritik im Einzelfall. Er warnte öffentlich vor den Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Deutschland: „Wenn wir nicht langsam checken, dass wir auf gute Leute angewiesen sind, dann gehen irgendwann die Lichter aus.“
Zudem machte er auf eine weitere Härte aufmerksam: Sollte Ruqi künftig versuchen, legal nach Deutschland zurückzukehren, müsste sie laut Wolf zunächst die Kosten ihrer eigenen Abschiebung zurückbezahlen.
Credit: APA
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