Osterferien als Weckruf: Familienministerin fordert echte Kinderbetreuung – und gibt zu, dass sie noch fehlt

Osterferien als Weckruf: Familienministerin fordert echte Kinderbetreuung – und gibt zu, dass sie noch fehlt

Claudia Bauer (ÖVP) macht eine klare Ansage zu Öffnungszeiten und Ausbau. Die Zahlen zeigen: Der Weg ist lang.

Das Problem heißt Ferienzeit

Osterferien, Sommerferien, Weihnachtsferien – für berufstätige Eltern in Österreich bedeuten sie jedes Mal das gleiche: organisatorisches Chaos. Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) spricht das jetzt offen aus. Gegenüber oe24 sagt sie: „Es ist eine Tatsache, dass viele Kinderbetreuungseinrichtungen, egal ob Kindergärten oder Horte an Schulen, in den Ferien geschlossen bleiben. Und das bringt große Herausforderungen für berufstätige Eltern.“

Für viele ist das gelebter Alltag. Laut oe24 sind berufstätige Eltern „derzeit auf flexible Arbeitgeber, Omas, Opas und ehrenamtliche Vereine angewiesen“ – eine Formulierung, die Bauer selbst verwendet und für die sie ausdrücklich dankt. Ein echtes politisches Konzept ist das freilich nicht.

Ziel bekannt – aber noch lange nicht erreicht

Bauer gibt ungewöhnlich klar zu, wo Österreich steht: „Unser oberstes Ziel muss flächendeckende Kinderbetreuung mit ordentlichen Öffnungszeiten sein, da sind wir aber noch nicht angekommen.“ Die Ministerin kündigt an, gemeinsam mit Ländern und Gemeinden „mit Hochdruck“ am Ausbau zu arbeiten.

Der Hintergrund: Kinderbetreuung ist in Österreich Ländersache. Der Bund stellt Geld bereit, etwa über die sogenannte 15a-Vereinbarung gemäß Bundes-Verfassungsgesetz. In der laufenden Periode 2022/23 bis 2026/27 stellt der Bund den Ländern laut Bundeskanzleramt jährlich 200 Millionen Euro als Zweckzuschuss zur Verfügung – eine Milliarde Euro über fünf Jahre. Ziel ist unter anderem der Ausbau von Betreuungsplätzen für unter Dreijährige und die Ausweitung der Öffnungszeiten auf ein mit Vollzeitberufstätigkeit beider Elternteile vereinbares Niveau – in der Fachsprache „VIF-konform“.

Die Zahlen zeigen: Viel getan, noch mehr zu tun

Seit Beginn der Bundesbeteiligung im Jahr 2008 wurden laut oe24 rund 99.700 Kindergartenplätze geschaffen. Die Besuchsquote bei unter Dreijährigen wurde dabei von 14 auf 36,9 Prozent mehr als verdoppelt – das klingt gut, liegt aber noch immer unter dem EU-Barcelona-Ziel von 33 Prozent, das Österreich längst überschreiten sollte. Derzeit werden österreichweit 107.453 Kinder unter drei Jahren institutionell betreut. Bei den Drei- bis Sechsjährigen stieg die Besuchsquote von 86,6 auf 94,6 Prozent, wobei laut Ministerium viele Kinder nur ein einziges Jahr den Kindergarten besuchen.

Insgesamt werden österreichweit rund 327.763 Kinder im Alter von null bis fünf Jahren institutionell betreut.

Zweites Pflichtkindergartenjahr kommt – mit Deutschpflicht

Im Regierungsprogramm haben sich die Koalitionspartner auf ein zusätzliches verpflichtendes Kindergartenjahr geeinigt – künftig sollen zwei Jahre vor der Schule verpflichtend sein statt bisher eines. Das ist auch bildungspolitisch relevant: Wie oe24 berichtet, kommen derzeit zu viele Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen in die Volksschule.

Auf die Frage, ob auch Kindergärten, in denen primär Fremdsprachen gesprochen werden, Deutschförderung anbieten müssen, antwortet das Ministerium klar: Ja – zumindest wenn die Einrichtung Bundesförderungen nach der 15a-Vereinbarung erhält. Dann sind Sprachstandsfeststellungen und entsprechende Deutschfördermaßnahmen verpflichtend.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibe „eine der größten Sorgen junger Familien und damit auch eine der obersten Prioritäten der Familienpolitik“, so Bauer – und müsse in der nächsten Bund-Länder-Vereinbarung einen klaren Schwerpunkt bekommen.


Quellen: oe24.at, Bundeskanzleramt (bundeskanzleramt.gv.at), Parlamentskorrespondenz (parlament.gv.at)
Credits: APA

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