Was als Causa rund um Ex-ORF-General Roland Weißmann begann, hat sich zum handfesten Institutionsskandal ausgeweitet. Mindestens fünf weitere frühere oder noch amtierende ORF-Spitzenfunktionäre geraten nun ins Visier — von Untreue-Vorwürfen über Mobbing bis zu millionenschweren Klagen.
Weißmann will nicht alleine untergehen
Wie oe24 in einer Insideranalyse berichtet, hat Ex-ORF-General Roland Weißmann — der nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die er bestreitet, gekündigt wurde — in seiner Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft ein Gutachten über zwei weitere ORF-Manager beigefügt. Dieses Gutachten wurde den 35 Mitgliedern des ORF-Stiftungsrats zur Einsicht vorgelegt. Innerhalb des Senders heißt es laut oe24: Weißmann wolle „nicht alleine untergehen.“
Untreue-Vorwürfe gegen Wrabetz und Strobl
Im Zentrum des Gutachtens steht eine Zusatzpensionszusage, die der damalige ORF-General Alexander Wrabetz im Jahr 2010 an den heutigen ORF-Manager Pius Strobl gemacht haben soll. Zwei Stiftungsräte — der SPÖ-nominierte Leonhard Dobusch und FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler — sehen darin laut oe24 „mutmaßliche Untreue und Urkundenfälschung“. Beide Beschuldigte weisen die Vorwürfe zurück. Das Gutachten war 2022 im Auftrag einer Weißmann-nahen Anwaltskanzlei erstellt worden, nachdem Weißmann die Pensionsansprüche Strobls bestritten hatte. Der ORF hat für Strobl Rückstellungen von 2,4 Millionen Euro gebildet — Strobl will seine Ansprüche notfalls gerichtlich durchsetzen.
60 Mitarbeiter gegen ORF-3-Chef Schöber
Ebenfalls zum Lesen vorgelegt wurde den Stiftungsräten laut oe24 ein Bericht zu ORF-3-Chef Peter Schöber, gegen den bis zu 60 ORF-Mitarbeiter wegen „Bossing und Mobbing“ Beschwerden eingereicht hatten. Schöber — der mehr verdient als reguläre ORF-Direktoren — hat eine einstweilige Verfügung und Klage gegen die Veröffentlichung des Berichts eingebracht, konnte die Einsichtnahme durch Stiftungsräte aber offenbar nicht verhindern. Warum er noch im Amt ist, wundert laut oe24 nicht nur Stiftungsrat Westenthaler.
Causa Ziegler und Prantner kommen noch
Noch nicht vorgelegt wurde das Dossier zu Robert Ziegler, dem ehemaligen Chefredakteur des ORF-Landesstudios Niederösterreich, der 2023 nach einer internen Untersuchung zurückgetreten war. Zum Schutz der aussagenden Mitarbeiter werde der Bericht vorerst zurückgehalten, heißt es laut oe24. Mehrere Stiftungsräte fordern inzwischen die Vorlage „sämtlicher früherer strittiger Vereinbarungen und Stillhalteabkommen“ — das betreffe auch Stiftungsrat und Ex-ORF-Manager Thomas Prantner, der von FPÖ-Landeshauptmann Mario Kunasek in den ORF entsandt wurde. Da dabei Gelder des ORF geflossen sein sollen, prüfe bereits der Rechnungshof den Fall.
Millionenklagen und ein teures Nachspiel
Weißmann selbst klagt den ORF auf 3,9 Millionen Euro — steht aber selbst vor einer Gegenklage der Mitarbeiterin, die ihn der Belästigung bezichtigt. Der finanzielle und reputative Schaden für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wächst damit täglich. Wie oe24 festhält: Für den ORF wird die Causa „immer teurer und schädlicher.“
Credits: APA
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