Nach dem Bekanntwerden von Auftragsproduktionen für ÖBB und Wirtschaftskammer, die ohne Kennzeichnung auf ORF III liefen, schaltet sich nun der ORF-Redaktionsrat ein — mit deutlichen Worten und einer klaren Forderung: Fehlverhalten in der Führungsetage muss Konsequenzen haben.
„Berichterstattung darf nicht käuflich erscheinen“
In einer Aussendung vom Dienstag warnt der ORF-Redaktionsrat vor einem Vertrauensverlust — und zwar in ungewöhnlich scharfer Sprache für ein internes Gremium. „Es darf nicht einmal der Eindruck entstehen, dass Berichterstattung im ORF käuflich sei“, heißt es laut oe24. Produktionen wie „100 Jahre ÖBB“ oder „Made in Austria: Grenzenlos erfolgreich“ als journalistische Produkte auf ORF III auszustrahlen, entspreche nicht den geltenden Regulativen und widerspreche dem Verständnis des Rates von Qualitätsjournalismus.
Der Kern des Vorwurfs: Die Produktionen wurden von externen Auftraggebern finanziert — ÖBB, Wirtschaftskammer und anderen — aber dem Publikum gegenüber nicht als solche kenntlich gemacht. Laut dem Redaktionsrat würden hier „von einzelnen Personen mit der Glaubwürdigkeit des gesamten Unternehmens gespielt.“
ORF-Führung: Gesetz sei eingehalten worden
Der ORF selbst hatte bereits zuvor auf die Berichte von Der Standard und dem Podcast Die Dunkelkammer reagiert: Man habe den Erfordernissen des ORF-Gesetzes entsprochen. Der Redaktionsrat sieht das anders. Eine formelle rechtliche Entsprechung entbinde nicht von journalistischer Verantwortung.
Schöber: Untersuchung mit Folgen — aber unzureichende
Im Mittelpunkt der Affäre steht ORF-III-Programmchef Peter Schöber. Bereits vor über einem Jahr sagten rund 60 Mitarbeiter im Rahmen einer internen Untersuchung zu Vorwürfen über Führungsverhalten, Mobbing und redaktionelle Einflussnahme aus. Der ORF sprach danach von „teilweise problematischem“ Führungsverhalten und passte die Struktur an — Schöber verlor seine alleinige Personalhoheit, „direkte Durchgriffe“ in Programmfragen wurden unterbunden.
Der Redaktionsrat bezeichnet diese Maßnahmen nun ausdrücklich als „unzureichend“. Fehlverhalten in der Führungsetage müsse Konsequenzen haben — ohne Wenn und Aber, wie oe24 aus der Aussendung zitiert.
Was das für den ORF bedeutet
Der Fall reiht sich in eine Reihe von Führungskrisen ein, die den Sender seit dem Abgang von Generaldirektor Roland Weißmann begleiten. Stiftungsrat, Geschäftsführung, Redaktionsrat — auf allen Ebenen läuft derzeit eine Auseinandersetzung darüber, was im ORF zulässig ist und was nicht. Dass nun das interne Kontrollgremium der Redakteure öffentlich Alarm schlägt, macht deutlich: Die Affäre um die Auftragsproduktionen ist für den Sender keine Randnotiz.
Credits: APA
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