ORF-Krise weitet sich aus: Compliance, Beirat — und immer mehr Namen im Feuer

ORF-Krise weitet sich aus: Compliance, Beirat — und immer mehr Namen im Feuer

Die Causa Weißmann beschäftigt den ORF seit Wochen. Jetzt geraten immer mehr Personen ins Visier — und die Uhr für eine Entscheidung tickt laut.

Der Stand der Dinge: Compliance und neuer Beirat

Gut drei Wochen nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann läuft die Aufarbeitung auf mehreren Gleisen. Wie der ORF berichtet, hat die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher einen sechsköpfigen Transparenzbeirat eingerichtet, der weisungsfrei kursierende Vorwürfe untersuchen, Fehlverhalten aufdecken und erforderliche Konsequenzen benennen soll. Den Vorsitz übernimmt laut ORF und Horizont Bettina Knötzl, Vorstandsvorsitzende von Transparency International Austria. Erste Ergebnisse werden noch vor dem Sommer erwartet.

Parallel dazu hat auch die ORF-interne Compliance-Stelle ihre Arbeit aufgenommen. Wie vienna.at berichtet, wurden sowohl Weißmann als auch die betroffene Mitarbeiterin bereits angehört. Der Medienmanager soll sie nach Angaben der Frau zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben. Weißmann bestreitet dies und ließ über seinen Anwalt ausrichten, es habe sich um eine Beziehung im beiderseitigen Einvernehmen gehandelt.

Was die Compliance bislang vorliegen hat

Die Dimension des Falls ist erheblich. Laut oe24-Insiderinformationen hat die Compliance-Stelle die detaillierte Stellungnahme der betroffenen Mitarbeiterin sowie 50 ausgedruckte Chat-Seiten vorliegen. Wer die Unterlagen gesichtet hat, zieht laut Bericht keine schmeichelhafte Bilanz für Weißmann. Darüber hinaus soll es noch dreimal so viele Nachrichten und nicht jugendfreie Fotos geben, die Weißmann der Mitarbeiterin geschickt haben soll.

Weißmann selbst hatte ursprünglich finanzielle Forderungen von 3,2 Millionen Euro an den ORF gestellt. Wie profil berichtet, setze sich diese Summe aus Gehaltsansprüchen bis zu seinem 65. Geburtstag sowie Abfertigungsansprüchen zusammen. Seither ist er als Chefproducer vom ORF freigestellt, bezieht dabei aber weiterhin rund 300.000 Euro Jahresgehalt. Weißmann hat zudem Strafanzeige gegen die betroffene Mitarbeiterin und deren Anwalt erstattet. Bei der Staatsanwaltschaft Wien läuft laut SN.at eine Anfangsverdachtsprüfung.

Zeiler kritisiert — und Stiftungsräte geraten unter Druck

Nicht nur Weißmann selbst steht im Kreuzfeuer. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, hat auch Ex-ORF-Boss Gerhard Zeiler öffentlich Kritik geübt: Weißmann hätte beim Bekanntwerden der Vorwürfe umgehend suspendiert und die Causa durch externe Experten geprüft werden müssen.

Damit geraten auch ORF-Stiftungsratschef Heinz Lederer (SPÖ) und sein Stellvertreter Gregor Schütze (ÖVP) in Bedrängnis. Wie profil berichtet, werden die Lobbying-Tätigkeiten beider Herren seit Wochen öffentlich unter die Lupe genommen. Lederer soll unter anderem für eine TV-Produktionsfirma interveniert haben, die regelmäßig ORF-Aufträge erhält. Er selbst weist alle Vorwürfe zurück und betont, seine Beratungstätigkeiten seien geprüft und stünden in keinem Interessenskonflikt.

Wrabetz und der Millionen-Pensionsvertrag

Als weiteres Kapitel in der ORF-Krise gerät laut oe24-Politikinsider nun auch Ex-Generaldirektor Alexander Wrabetz stärker ins Visier — vor allem aus ÖVP-Kreisen, die ein politisches Comeback von Wrabetz im ORF fürchten. Konkret geht es um einen Zusatzpensionsvertrag für ORF-Manager Pius Strobl, den Wrabetz 2010 zugesichert hatte und für den der ORF Rücklagen von rund 2,3 Millionen Euro gebildet hat. Wie profil berichtet, wurden solche Betriebspensionen offiziell bereits 2001 abgeschafft — Altlasten dieser Art bestehen dennoch weiter.

Fristen laufen ab

Mehrere Arbeitsrechtler weisen laut oe24 darauf hin, dass die Zeit für Thurnher und die Compliance-Stelle drängt. Entscheiden kann die ORF-Chefin erst, wenn der Compliance-Bericht finalisiert ist. Bis dahin brodelt der Küniglberg — und die zahlende Öffentlichkeit, die den ORF über die Haushaltsabgabe finanziert, dürfte das Zögern mit wachsender Ungeduld verfolgen.


Quellen:

  • ORF.at / APA: Thurnher richtet Transparenzbeirat für ORF ein (27.03.2026) — orf.at
  • horizont.at: ORF-Turbulenzen: Ingrid Thurnher richtet Transparenzbeirat ein (27.03.2026) — horizont.at
  • vienna.at: ORF – Transparenzbeirat legt los (27.03.2026) — vienna.at
  • Salzburger Nachrichten / APA: Transparenzbeirat im ORF: Generaldirektorin Thurnher reagiert auf Krise (27.03.2026) — sn.at
  • profil.at: ORF-Krise: Politik will sich lieber abputzen statt auszuputzen (21.03.2026) — profil.at
  • oe24.at (Isabelle Daniel): ORF: Wer jetzt aller ins Visier gerät (27.03.2026) — oe24.at

Credits: APA

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