Orbán weg: Wie die Weltpresse über das Ende einer Ära urteilt

Orbán weg: Wie die Weltpresse über das Ende einer Ära urteilt

Péter Magyar hat die ungarischen Parlamentswahlen mit einer Zweidrittelmehrheit gewonnen. Doch in den Schlagzeilen weltweit dominiert nicht sein Sieg — sondern das Ende der 16-jährigen Herrschaft Viktor Orbáns.

Ein Rekordergebnis als Zäsur

Am 12. April 2026 hat Magyars Tisza-Partei mit 53,1 Prozent der Stimmen 138 der 199 Parlamentsmandate errungen — die wichtige Zweidrittelmehrheit, die tiefgreifende Reformen erst möglich macht. Orbáns Fidesz stürzte von 133 auf 55 Sitze ab. Die Wahlbeteiligung lag laut taz bei fast 80 Prozent — die höchste seit Beginn freier Wahlen in Ungarn. Orbán selbst räumte die Niederlage bereits nach Auszählung der Hälfte der Stimmen ein. Das Ergebnis sei „schmerzhaft, aber eindeutig“, sagte er vor seinen Anhängern in Budapest.

Westliche Medien: Der Fall eines Systembildners

Das Bild in den westlichen Leitmedien ist eindeutig. Wie die Weltwoche in ihrer Presseschau berichtet, titelt die New York Times: „Das Ende der Orbán-Ära: Ungarn lehnt Europas starken Mann ab.“ Das Wall Street Journal sieht Signale über Ungarn hinaus: „Magyars Erdrutschsieg erschüttert globale populistische Bewegungen.“

Die britische Financial Times wertet Kiew als den größten Gewinner der Wahl außerhalb Ungarns und Moskau als den größten Verlierer — Orbán sei der nützlichste Verbündeter des Kremls innerhalb der EU gewesen, wie die Jüdische Allgemeine berichtet. Der Guardian feiert Magyar als „Retter der ungarischen Seele“.

Das italienische Corriere della Sera warnt trotz der Erleichterung: Orbán habe in 16 Jahren Institutionen, Justiz, Akademien und Medien nach seinem Bild geformt. Die neue Regierung werde sich mit einem politischen System auseinandersetzen müssen, das tief verwurzelt sei.

Russland: Pragmatismus statt Glückwunsch

Moskau reagierte anders. Wie t-online berichtet, ließ Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ausrichten, Russland sende keine Glückwünsche an „unfreundliche Länder“ — und Ungarn stehe auf dieser Liste, weil es Sanktionen unterstütze. Man werde aber „sehr pragmatische Kontakte“ mit der neuen Führung in Budapest pflegen. Russia Today suggerierte laut Weltwoche, das Wahlergebnis sei Ergebnis westlichen Drucks gewesen.

Europa jubelt, stellt aber Fragen

In Brüssel löste das Ergebnis Erleichterung aus. Wie Euronews berichtet, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf X: „Ungarn hat Europa gewählt.“ Bundeskanzler Friedrich Merz, SPD-Chef Lars Klingbeil und Außenminister Johann Wadephul gratulierten rasch — und sahen in Orbáns Niederlage gleichzeitig eine Schlappe für Wladimir Putin. Ehemaliger US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Wahlausgang laut Hersfelder Zeitung als „Sieg für die Demokratie weltweit.“

US-Vizepräsident JD Vance hingegen zeigte sich offen enttäuscht — er sei „traurig, dass Orbán verloren hat“, sagte er bei Fox News.

Die offene Frage: Was kommt nach Orbán?

Wie der Economist und die FAZ laut Weltwoche anmerken, hat Magyar zwar gewonnen — aber Orbán hinterlässt einen „Deep State“ aus besetzten Institutionen. Magyar selbst ist ehemaliger Fidesz-Insider. Ob er einen konsequent liberalen Kurs halten wird, bleibt offen: Bei Fragen wie dem EU-Beitritt der Ukraine oder Migrationspolitik hält sich der neue Premier zurück, wie ZDF heute berichtet. Auch der Grenzzaun soll bleiben.

Der Machtwechsel ist historisch — was er bedeutet, wird sich erst zeigen.

Credits: APA

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