Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban gehört zu den wenigen europäischen Regierungschefs, die Donald Trumps umstrittenen „Friedensrat“ in Davos unterstützten. Die meisten westlichen Verbündeten halten Abstand.
Ungarn unter Gründungsmitgliedern
US-Präsident Donald Trump unterzeichnete am 22. Jänner am Weltwirtschaftsforum in Davos die Gründungscharta seines „Board of Peace“, wie NBC News berichtet. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban war einer der wenigen europäischen Staats- und Regierungschefs, die Trump dabei persönlich flankierten.
„Ungarn gehört zu den Gründungsländern, weil Ungarn Frieden braucht, um weiterhin wachsen und sich entwickeln zu können“, schrieb Orban laut Daily News Hungary auf Facebook. „Krieg gefährdet alles, was wir in den letzten anderthalb Jahrzehnten aufgebaut haben. Er bringt Inflation, Sanktionen, hohe Energiepreise und den Niedergang der Volkswirtschaften.“
„Eine der ersten Institutionen der neuen Weltordnung“
Balázs Orban, politischer Direktor des ungarischen Premierministers, bezeichnete den Friedensrat laut Hungarian Conservative als „eine der ersten Institutionen der neuen Weltordnung“. Ungarn werde kein „Opfer“ der Transformation der globalen Ordnung sein, sondern ein „Gestalter“.
19 Länder unterzeichneten in Davos
Neben Orban unterzeichneten in Davos Spitzenpolitiker aus Argentinien, Pakistan, Türkei, Indonesien, Saudi-Arabien, Kasachstan und weiteren Staaten, wie SRF berichtet. Mit dabei waren unter anderem Argentiniens Präsident Javier Milei und Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif.
Insgesamt unterzeichneten laut TIME 19 Delegierte die Gründungscharta – darunter nur eine Frau: die kosovarische Präsidentin Vjosa Osmani.
Westliche Verbündete ferngeblieben
Auffällig war die Abwesenheit westeuropäischer Staats- und Regierungschefs, wie LBC berichtet. Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien verzichteten auf eine Teilnahme. Auch die Europäische Union ist nicht vertreten.
Die britische Außenministerin Yvette Cooper begründete die Absage laut NBC News mit Bedenken über die mögliche Beteiligung Russlands. „Wir haben Bedenken, dass Präsident Putin Teil von etwas ist, das über Frieden spricht, wenn wir immer noch keine Anzeichen von Putin gesehen haben, dass es ein Engagement für Frieden in der Ukraine geben wird“, zitiert NBC News Cooper.
Putin erhielt Einladung
Der russische Präsident Wladimir Putin hat laut Wikipedia eine Einladung erhalten, die er „studiere“. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte laut CNBC, man prüfe „alle Details dieses Vorschlags“. Bei der Unterzeichnungszeremonie in Davos war Russland jedoch nicht vertreten.
Kanadas Einladung zurückgezogen
Trump zog die Einladung an Kanada zurück, nachdem Premierminister Mark Carney in Davos eine Rede gehalten hatte, die indirekt aber deutlich Trump für die Schaffung eines „Bruchs“ mit den USA kritisierte, wie NBC News berichtet. „Der Friedensrat zieht seine Einladung an Sie zurück“, schrieb Trump laut NBC News auf Truth Social.
Belgien dementierte Teilnahme
Belgien korrigierte eine vom Weißen Haus verbreitete Liste, wie NBC News berichtet. „Belgien hat die Charta des Friedensrats NICHT unterzeichnet. Diese Ankündigung ist falsch“, erklärte der belgische Vizepremier Maxime Prévot laut NBC News auf X.
Von Gaza zu globaler Reichweite
Der Friedensrat wurde ursprünglich vom UN-Sicherheitsrat im November 2025 genehmigt, um den Wiederaufbau des Gazastreifens zu überwachen, wie Wikipedia erläutert. Die Charta des Gremiums erwähnt Gaza jedoch nicht einmal, wie ABC News berichtet.
Trump deutete an, dass der Rat die UN ergänzen oder sogar ersetzen könnte. „Die UN war nicht sehr hilfreich“, sagte Trump laut Euronews, fügte aber hinzu: „Ich glaube, man muss die UN weitermachen lassen, weil das Potenzial so groß ist.“
Milliarde Dollar Beitrittsgebühr
Länder, die länger als drei Jahre Mitglied bleiben wollen, sollen eine Milliarde Dollar zahlen, wie SRF berichtet. Völlig unklar bleibt, wofür diese Gelder verwendet werden sollen.
Kanadas Finanzminister François-Philippe Champagne bestätigte laut Wikipedia öffentlich, dass Ottawa das „1-Milliarden-US-Dollar-Preisschild“ nicht zahlen werde.
Kritik: „Machtergreifungsversuch“
Die Etablierung des Gremiums wurde laut Wikipedia als „neuester Machtergreifungsversuch“ Trumps bezeichnet, da der US-Kongress keine Rolle bei der Autorisierung des Projekts spielte.
Die frühere Vorsitzende der „Elders“, Mary Robinson, bezeichnete den Rat laut Wikipedia als „Machtwahn“ und merkte an, dass die Charta – anders als die UN-Resolution, auf der sie basiert – Gaza nicht erwähnt.
Trump: „Eine der wichtigsten Organisationen“
Trump selbst bezeichnete den Friedensrat laut Euronews als „eine der wichtigsten Organisationen, die jemals geschaffen wurden“. Er werde Vorsitzender des Gremiums sein und kündigte an: „Sobald dieser Rat vollständig gebildet ist, können wir so ziemlich alles tun, was wir tun wollen.“
Quellen:
- NBC News: „What to know about Trump’s ‚Board of Peace'“
- Hungarian Conservative: „Hungary Joins Donald Trump’s Board of Peace as Founding Member“
- Daily News Hungary: „PM Orbán in Davos: Hungary among founding members“
- SRF: „Trumps Friedensrat für Gaza: Diese Staaten machen mit“
- Wikipedia: „Board of Peace“
- ABC News: „Trump hosts signing ceremony for Board of Peace in Davos“
- Euronews: „Trump launches ‚Board of Peace‘ at Davos signing ceremony“
- TIME: „Trump Unveils Gaza ‚Board of Peace‘ at Davos“
- LBC: „Who is on Donald Trump’s Board of Peace?“
- CNBC: „Trump signed his Gaza ‚Board of Peace‘ into being“
Credits: APA
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