Ungarn setzt seine Gaslieferungen an die Ukraine schrittweise aus – und verknüpft die Wiederaufnahme mit einer klaren Bedingung. Der Konflikt blockiert mittlerweile Milliarden an EU-Hilfsgeldern.
Die Ankündigung: Kein Gas, bis Öl fließt
In einem nach einer Regierungssitzung auf Facebook veröffentlichten Video hat der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán am 25. März 2026 klargemacht, was Budapest als nächsten Schritt setzt. Wie Reuters und die Berliner Zeitung berichten, erklärte Orbán wörtlich: „Wir stellen die Gaslieferungen von Ungarn in die Ukraine schrittweise ein und werden das verbleibende Gas in Ungarn lagern.“ Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Solange kein Öl durch die Druschba-Pipeline fließt, liefert Budapest kein Gas nach Kiew.
Wie Euronews berichtet, fügte Orbán hinzu, dass die Entscheidung dem Schutz der ungarischen Energiesicherheit und der Aufrechterhaltung niedriger Gas- und Benzinpreise diene.
Was hinter dem Streit steckt
Im Mittelpunkt des Konflikts steht die Druschba-Pipeline – jene sowjetische Ölleitung, über die seit Jahrzehnten russisches Rohöl durch ukrainisches Gebiet nach Ungarn und in die Slowakei transportiert wird. Beide EU-Länder verfügen über Ausnahmen von den EU-Sanktionen auf russisches Öl. Wie die Berliner Zeitung berichtet, wurde die Pipeline Ende Januar 2026 unterbrochen. Die Ukraine begründet dies mit Schäden durch russische Angriffe. Ungarn und die Slowakei werfen Kiew hingegen vor, die Reparatur aus politischen Gründen zu verzögern – und zwar gezielt kurz vor den ungarischen Parlamentswahlen am 12. April, um Orbáns Regierung unter Druck zu setzen, wie Euronews berichtet.
Ungarn als wichtiger Gaslieferant der Ukraine
Die Dimension des Schritts ist nicht zu unterschätzen. Wie das ukrainische Energieanalyseunternehmen ExPro laut Euronews schätzt, importierte die Ukraine im Jahr 2025 über 2,9 Milliarden Kubikmeter Gas aus Ungarn – das entsprach rund 45 Prozent der gesamten ukrainischen Gasimporte. Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf Reuters ergänzt, hatte die Ukraine für März allein 180 Millionen Kubikmeter aus Ungarn bestellt, was 28 Prozent ihrer gesamten Gasimporte in diesem Monat entspricht. Am Mittwochmorgen floss noch Gas, wie Daten des ungarischen Pipelinebetreibers FGSZ zeigen – der Stopp soll schrittweise erfolgen.
Blockade auf EU-Ebene – 90 Milliarden auf Eis
Der Energiestreit hat längst politische Sprengkraft auf europäischer Ebene. Wie der Weltexpress unter Berufung auf TASS-Daten berichtet, blockiert Ungarn derzeit sowohl einen EU-Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine als auch das 20. EU-Sanktionspaket gegen Russland – und verknüpft beides offen mit der Druschba-Frage. Wie die Berliner Zeitung berichtet, scheiterte ein EU-Gipfel am 19. März 2026 daran, Orbán zur Aufhebung dieser Blockade zu bewegen.
Die EU-Kommission reagierte mit dem Angebot technischer und finanzieller Hilfe für die Reparatur der Pipeline. Wie ukrinform.de berichtet, beteuerte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa, die Ukraine bleibe ein verlässlicher Energiepartner.
Kyjiw ohne Spielraum – aber auch ohne Rückendeckung?
Die Ukraine sitzt in der Klemme. Wie Weltexpress berichtet, wurde einer EU-Expertendelegation, die die beschädigte Pipeline besichtigen sollte, der Zugang zum betreffenden Abschnitt verweigert – auch Experten aus Ungarn und der Slowakei wurden nicht zugelassen. Das nährt den Verdacht, dass Kiew kein Interesse an einer raschen Lösung hat.
Orbáns nächste Drohstufe ist bereits bekannt: Wie die Berliner Zeitung berichtet, hatte Budapest bereits früher angekündigt, bei weiter ausbleibenden Öllieferungen auch die Stromexporte in die Ukraine zu kappen. Der Konflikt zwischen zwei EU-Nachbarn, der längst über Pipelines hinausgeht, ist damit noch lange nicht beendet.
Quellen:
- Weltwoche – Orbán will Gaslieferungen an die Ukraine schrittweise stoppen (25.03.2026)
- Berliner Zeitung – Druschba-Pipeline-Streit: Orbán will Gaslieferungen an die Ukraine schrittweise einstellen (25.03.2026)
- Euronews – Zoff um Druschba-Pipeline: Ungarn will Gasexporte in Ukraine stoppen (25.03.2026)
- ukrinform.de – Ungarn setzt Gaslieferungen an Ukraine aus, bis Öltransit durch Druschba-Pipeline wieder aufgenommen wird (25.03.2026)
- Weltexpress – Ungarn setzt Gaslieferungen an die Ukraine aus (25.03.2026)
Credits: APA
Neueste Kommentare