Péter Magyar gewinnt die Ungarnwahl mit Zweidrittelmehrheit. Die österreichischen Reaktionen fallen unterschiedlich aus — und werfen ein Schlaglicht auf die innenpolitischen Verhältnisse im Nachbarland.
Ein historisches Ergebnis
Nach 16 Jahren an der Macht ist Viktor Orbán abgewählt. Péter Magyar und seine Tisza-Partei erreichen bei der Parlamentswahl vom 12. April 2026 nach Auszählung von über 97 Prozent der Stimmen 138 von 199 Sitzen — eine klare Zweidrittelmehrheit. Fidesz stürzt auf 55 Mandate ab. Wie ORF berichtet, verzeichnete die Wahl mit 77,8 Prozent Beteiligung einen historischen Rekord.
Orbán gestand die Niederlage noch am Wahlabend ein. Das Ergebnis sei schmerzhaft, aber eindeutig, sagte er laut Euronews vor seinen Anhängern. Magyar feierte den Sieg vor zehntausenden Anhängern am Donauufer in Budapest: „Wir haben unsere Heimat zurückgeholt.“
ÖVP: Erleichterung und Glückwunsch
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) gratulierte Magyar prompt. Wie ORF und VOL.at berichten, schrieb er auf X, die ungarische Bevölkerung habe mit überwältigender Mehrheit das „destruktive Gegeneinander abgewählt“ und sich für eine proeuropäische Zukunft entschieden. Für die ÖVP ist der Sieg Magyars auch aus einem strukturellen Grund erfreulich: Magyars Tisza-Partei gehört der Europäischen Volkspartei (EVP) an — derselben Parteienfamilie wie die ÖVP. Orbáns Fidesz war hingegen aus der EVP ausgeschieden und hatte gemeinsam mit der FPÖ die EU-Parlamentsfraktion „Patrioten für Europa“ gegründet.
SPÖ: Orbán habe „die Rechnung präsentiert bekommen“
Die SPÖ nutzte das Ergebnis für eine europapolitische Ansage. Wie nachrichten.at und VOL.at berichten, bezeichnete Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) das Wahlergebnis als „starkes Signal für Europa“. Konkreter wurde SPÖ-Delegationsleiter im Europaparlament, Andreas Schieder: Der Frust der Menschen in Ungarn sei groß gewesen, und Orbán habe heute die Rechnung dafür präsentiert bekommen, erklärte er in einer Aussendung. Schieder verknüpfte das Ergebnis umgehend mit einer langjährigen roten Forderung — der Abschaffung der Einstimmigkeit im Europäischen Rat, die Orbán jahrelang als Blockadeinstrument genutzt hatte.
Die FPÖ und ihr Orbán-Problem
Auffällig abwesend in der österreichischen Reaktionsrunde: eine offizielle Stellungnahme der FPÖ. Das ist politisch brisant. Wie der ORF vor der Wahl berichtete, zählt FPÖ-Chef Herbert Kickl zu den erklärten Verbündeten Orbáns. Im Wahlkampf hatte Orbán Unterstützung aus einem breiten rechten Netzwerk erhalten — darunter laut Campact.de auch Kickl neben Alice Weidel und Marine Le Pen. Die NEOS hatten in einem Vorwahlkommentar explizit darauf hingewiesen, dass Kickl Orbán zum Vorbild erklärt hatte, und das als „ernstzunehmendes Warnsignal für Österreich“ bezeichnet.
Magyars Sieg bedeutet auch das Ende der von Orbán und Kickl gemeinsam aufgebauten EU-Fraktion „Patrioten für Europa“ in ihrer bisherigen Gestalt — zumindest was den ungarischen Beitrag betrifft.
Was das Ergebnis für Europa bedeutet
Die Zweidrittelmehrheit gibt Magyar weitreichende Möglichkeiten: Orbáns Gesetze, die nur mit Supermajorität geändert werden können — Wahlrecht, Justiz, Medienkontrolle — sind damit angreifbar. Von der Leyen schrieb auf X, Ungarn habe sich für Europa entschieden. EVP-Chef Manfred Weber erklärte laut ZDF heute, der Sieg zeige, dass mit bürgerlicher Politik Wahlen gegen Rechtsaußen gewonnen werden könnten.
Magyar kündigte an, nach Wien und Brüssel zu reisen — die Signale aus der österreichischen Bundesregierung dürften ihn dabei willkommen heißen.
Credits: APA
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