Orbán abgewählt: Magyar gewinnt mit Zweidrittelmehrheit — ein historischer Erdrutsch

Orbán abgewählt: Magyar gewinnt mit Zweidrittelmehrheit — ein historischer Erdrutsch

Nach 16 Jahren Herrschaft ist Viktor Orbán Geschichte. Péter Magyar und seine TISZA-Partei haben die ungarische Parlamentswahl mit einer überwältigenden Mehrheit gewonnen.

Das Ergebnis: TISZA holt 138 von 199 Sitzen

Wie ORF, t-online und watson.ch übereinstimmend berichten, hat die TISZA-Partei von Péter Magyar nach Auszählung von mehr als 98 Prozent der Stimmen 138 von 199 Sitzen im ungarischen Parlament geholt — deutlich mehr als die 133 Sitze, die für eine Zweidrittelmehrheit erforderlich sind. Fidesz stürzte auf 55 Mandate ab, die rechtsextreme Mi Hazánk kam auf sechs. Magyar erzielte 53,6 Prozent der Stimmen, Orbáns Partei kam auf 37,8 Prozent.

Zur Wahl erschienen so viele Ungarn wie seit Jahrzehnten nicht: Wie ORF berichtet, lag die Wahlbeteiligung um 18:30 Uhr — eine halbe Stunde vor Schließung der Lokale — bereits bei 77,8 Prozent und damit deutlich über dem bisherigen Rekord von 2002 (70,5 Prozent).

Magyar feiert, Orbán gratuliert

„Ungarn hat heute Geschichte geschrieben. Wir haben unsere Heimat zurückgeholt“, rief Magyar laut ORF vor Zehntausenden feiernden Anhängern am Donauufer in Budapest. Noch in der Wahlnacht meldete er sich auf Facebook: Orbán habe ihn angerufen, um zu gratulieren. Kurz darauf gestand Orbán öffentlich ein: „Die Wahlergebnisse sind, wenn auch noch nicht endgültig, klar. Für uns sind sie schmerzhaft, aber eindeutig.“ Und weiter: „Uns ist nicht die Verantwortung und die Chance zum Regieren anvertraut worden.“

Was die Zweidrittelmehrheit bedeutet

Die Bedeutung dieser Mehrheit kann kaum überschätzt werden. Wie t-online erläutert, kann Magyar damit Verfassungsänderungen durchsetzen und jene Amtsträger austauschen, die Orbán im Laufe der Jahre in Schlüsselpositionen installiert hatte. Noch in seiner Siegesrede forderte Magyar laut watson.ch den Rücktritt von Staatspräsident Tamas Sulyok, Generalstaatsanwalt Gábor Bálint Nagy sowie den Spitzen von Verfassungsgericht und Medienaufsicht.

Europa reagiert — Wien und Brüssel jubeln

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb laut ORF noch am Abend: „Ungarn hat sich für die EU entschieden. Das europäische Herz schlägt in Ungarn nun stärker.“ Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) gratulierte Magyar auf X und sprach davon, dass die ungarische Bevölkerung „das destruktive Gegeneinander abgewählt“ und sich für eine proeuropäische Zukunft entschieden habe. Der ukrainische Präsident Selenskyj gratulierte Magyar zum „überwältigenden Sieg“. Lediglich Italiens Premierministerin Giorgia Meloni dankte auch Orbán für die „intensive Zusammenarbeit“.

Credits: Von MrSilesian – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=149024459

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x